23. April 2016

#patenwuffs

Seit Dezember letzten Jahres hat sich mein Leben verändert. Und ich bin mehr als dankbar dafür und überaus glücklich. Was passiert ist? Ganz einfach: Ich habe alle meine Bedenken (dazu später mehr) „über Bord geworfen“ und bin ehrenamtliche Hundepatin in unserem heimischen Tierheim geworden.

Der erste Satz des Posts ist ernst gemeint und keine Übertreibung. Seit Dezember bin ich nahezu täglich (ja, sieben Tage die Woche) morgens und abends für mehrere Stunden im Tierheim und führe Hunde aus und das bei Wind und Wetter (Hagel, Schnee, Schneeregen, Regen, Sturm, Sonnenschein usw.). Und ganz ehrlich: Das Wetter ist mir vollkommen egal (was mich allerdings nicht davon abhält, darüber zu schimpfen), denn mein Ehrenamt erfüllt mich mit Glück und Zufriedenheit. In glückliche Hundegesichter zu sehen, macht mich glücklich und da ist es mir gleich, ob ich gerade (erneut) bis auf die Knochen nass geworden bin. Und wenn dann auch noch der Held an meiner Seite ist (der kurz nach mir Hundepate wurde), dann könnte ich zufriedener nicht sein.


Doch der Reihe nach...

Wie kam es zu meinem (unserem) Entschluss? 

Der Held und ich haben schon lange über dieses Ehrenamt nachgedacht, aber wir hatten – teilweise unterschiedliche, teilweise die gleichen – Zweifel: Wir bekommen wir das zeitlich hin? Werden die Hunde mit uns klarkommen? Wie gehen wir mit den Emotionen um, die unweigerlich auf uns zukommen? Diese und andere Fragen schwirrten konstant durch unsere Köpfe. Wir sprachen viel darüber, kamen aber zu keinem Ergebnis.
Doch plötzlich, Anfang Dezember, fühlte sich alles richtig an. Die Zweifel waren zwar noch da, aber ich war fest entschlossen, es zu probieren. Und diese Entscheidung war genau richtig und ich habe sie keinen Tag bereut, wenngleich es nicht immer leicht ist. Was ich damit meine? Die Emotionen, denen man unweigerlich ausgesetzt ist. Man sieht die Tiere im Tierheim (egal, ob nun Hund, Katze, Kaninchen oder Maus...), erfährt von ihrem Schicksal und steht ratlos und ohnmächtig vor der Frage: Was ist nur los mit den Menschen? Ich muss dann unweigerlich an Gandhi denken, der einmal sagte:
Die Größe einer Nation kann nach der Art und Weise beurteilt werden, wie seine Tiere behandelt werden.
Aber ich habe gelernt, diesen Emotionen etwas entgegen zu setzen: Ich sehe, dass die Tiere nun im Tierheim ein Zuhause haben, welches zwar nicht mit einer eigenen Familie und einem eigenen Zuhause vergleichbar ist. Aber dennoch ist es ein Zuhause, welches das Tierheimpersonal und wir Paten (egal, ob Hunde- oder Katzenpaten) so schön und angenehm wie nur möglich gestalten. Daneben fängt mich auch die Hoffnung auf, dass bestimmt alle Tiere irgendwann ein schönes Zuhause und eine eigene Familie finden, die sie lieben werden. Vielleicht mag das illusorisch klingen, aber dennoch gibt mir diese Hoffnung Kraft.
Und ich habe auch schon erlebt, dass aus der Hoffnung Realität wird: Hunde, die ich „betreut“ habe, sind vermittelt worden und haben nun eben genau das Zuhause und die Familie, die ich allen Tierheimbewohnern wünsche. 


Was bedeutet eigentlich "Hundepate"? 

Vielleicht stellt Ihr Euch diese Frage, daher möchte ich darauf eingehen. Ein Hundepate zu sein, das ist mehr als nur „Gassi gehen“, wenngleich der Spaziergang (und der ist je nach Hund eher ein sehr intensives „Walking“-Training; zumindest ist das bei uns so) der zentrale Punkt ist. Aber darüberhinaus gibt es mehr als ausreichend Möglichkeit, den Hunden die fehlende menschliche (Körper-)Nähe zu geben (kurz: kuscheln!), mit ihnen zu spielen, Hundesport zu machen und auch eine Hundeschule zu besuchen. Natürlich hängt all das davon ab, um welchen Hund man sich kümmert, da jeder Hund andere Bedürfnisse, körperliche Voraussetzungen etc. hat.
Generell ist es so, dass man keinen „festen“ Hund hat, sondern mit allen Hunden spazieren geht, die da sind. Was nicht nur für die Hunde gut ist, sondern auch für den Menschen. Und dennoch kommt es vor, dass man sich des Öfteren um die selben Hunden kümmert. In meinem (bzw. unserem) Fall sind das derzeit primär fünf Hunde: ein traumhaftes Rottweilerpärchen, zwei stolze Alaskan Malamutes und einen quirligen Pitbull.


Wenn ich noch Zeit habe, dann gehe ich noch mit weiteren Hunden spazieren, aber das funktioniert nur hin und wieder, da ich mir für jeden Hund viel Zeit nehmen möchte. Und da die Patenzeiten begrenzt sind, schafft man halt nicht immer noch mehr Hunde. Aber das Gute ist: Grundsätzlich kommt fast kein Hund zu kurz.


Wie ich nun schon mehrfach geschrieben habe, macht mich mein Ehrenamt unheimlich glücklich und zufrieden. Und darüber hinaus sogar überaus fit! Mein Sportprogramm habe ich auf ein Mini-Minimum gekürzt (also nur noch ein wenig Yoga), da ich knapp sechs Stunden pro Tag mit den Hunden „walke“ (gemütliches Gassi gehen sieht bestimmt anders aus) und ich meditiere auch kaum mehr, da mich die Zeit bei den Hunden so sehr entspannt.
Ich habe in den letzten Monaten sehr viel über mich selbst gelernt; vor allem über Stärken, von denen ich gar nichts wusste, über meine Schwächen, die mir allerdings sehr bewusst waren, und darüber wie ich beides (Stärken und Schwächen) miteinander in Einklang bringen kann. BUGfixing deluxe nenne ich das.

Ich kann nur noch einmal betonen: Ich bereue meine Entscheidung in keinster Weise und bin mehr als gücklich darüber, meine Zweifel über Board geworfen zu haben. Zusammengefasst kann ich sagen: Mein Ehrenamt passt perfekt zu meinem Motto do more of what makes you happy.




Kommentare so far

  1. Das klingt einfach wunderbar! Hunde sind so toll und ich hoffe, dass ich irgendwann auch mal einen Hund habe. Ich bewundere deinen Einsatz, sechs Stunden ist ja ganz schön zeitaufwändig. Aber dein Gefühl gibt dir da ja Recht, wenn es dir so gut geht. Und den Hunden natürlich auch!
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Kirsten

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    1. Liebe Kirsten,

      ich kann Dir nur zustimmen: Hunde sind einfach nur toll. Und jaaa: Auch wir hoffen, irgendwann einen eigenen Hund zu haben.

      Es ist aufwändig, das stimmt und einiges bleibt tatsächlich auf der Strecke bzw. ich bin immer noch dabei, meine Zeit besser zu organisieren (was noch nicht zu 100% klappt). Aber die Zeit mit den Hunden ist so erfüllend, da bin ich was anderes angeht (z.B. das ich nicht mehr so häufig zum Bloggen komme) gelassener geworden.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Das find ich toll. So viel Einsatz!
    Ich muss allerdings mal fragen: Wie kriegt man das hin neben seiner Berufstätigkeit noch 6 Stunden täglich ein Ehrenamt auszuüben und außerdem mal was zu essen und genug zu schlafen? Oder hast du die Arbeit reduziert?

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    1. Liebe Angela,

      alles eine Frage von Zeitmanagement und der Möglichkeit, sich seine Zeit frei einzuteilen. Außerdem sind die Patenzeiten ja auf den Vormittag und Abend verteilt.
      Aber im Grunde ist es egal, wie viel Zeit man hat: Schon eine Stunde, die ein Mensch erübrigen kann, ist für einen Tierheimbewohner eine ganze Menge wert.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Ein toller Post, Nicole! :) Ich selbst habe mal ein Praktikum im Tierheim gemacht.. während dies leider nicht ganz so passend für mich war, hab ich mich dann auch über Patenämter etc. informiert - leider war es schon damals vom zeitlichen her schwierig.. Momentan sieht es leider immer noch schwierig aus, aber ich halte immer noch an dieser Idee fest.. Ich habe selbst einen "richtigen" Patenhund - der Hund von Freunden von uns - auf den ich aufpasse, wenn sie im Urlaub sind, den ich absolut gern hab etc. und ich denke, wenn es vom zeitlichen her machbar wird, dann werde ich diese Idee auch umsetzen.. :)
    Ganz liebe Grüße,
    Nadja

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    1. Liebe Nadja,

      viele Paten kommen am Abend nach ihrer Arbeit und schenken den Hunden 1 1/2 schöne Stunden. Das ist viel wert! Ich drücke Dir die Daumen, dass Du Deine Idee bald in die Tat umsetzen kannst.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. Ach wie schön! Schön, dass du/ihr den Hunden soviel geben könnt und noch schöner ist es, dass es dir/euch auch so gut tut. Eine herrliche Aufgabe habt ihr euch da ausgesucht.
    Liebe Grüsse Alizeti

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    1. Liebe Alizeti,

      vielen lieben Dank für Deine Worte! Ja, die Aufgabe ist wirklich herrlich. Zugegeben: Nicht immer leicht (Stichworte: Zeitmanagement und Emotionen), aber jede Minute ist es wert. Und da wir beide diese "Aufgabe" als Paar "meistern", kommen wir auch nicht zu kurz. Außerdem ist es schön, dass wir als Paar diese Liebe zu Hunden teilen und ausleben können.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Liebe Nicole,

    Ach, wie wunderbar zu lesen, dass es dir (mit deinem Ehrenamt) so gut geht! Das freut mich sehr. Beim Lesen merkt man auch direkt, mit wie viel Herz und Hingabe du dabei bist - und das ist ganz wunderbar!
    Ich bin zwar gar kein Hunde-Mensch, aber manchmal spielt das gar keine Rolle (wie bei meinem Projekt: "Schwimmen für den guten Zweck"), denn es geht ja um die Sache und nicht unbedingt um einen selbst. Ich bewundere dich sehr für dein Engagement und die Zeit, die du dafür aufbringst (ich möchte ungern "opferst" schreiben, denn es klingt ganz und gar nicht nach "geopferter Zeit", sondern nach einer Win-Win-Situation). Wie wundervoll und bewundernswert.
    "Do more of what makes you happy" - das habe ich mir - dank dir! - für dieses Jahr auch noch einmal ganz groß auf die Fahne geschrieben und arbeite zur Zeit noch daran, es umzusetzen. Danke, dass du immer wieder so inspiriend bist und dies alles mit uns teilst.

    Alles Liebe und bis bald
    Nika

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    1. Hach, liebe Nika! Fühl Dich gaaanz fest gedrückt für Deine wunderbaren Worte, die heute genau zur richtigen Zeit kommen! DANKESCHÖN!!!

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Liebe Nicole,
      Immer wieder gerne. Wie schön, Blogger-Freundin zu sein und manchmal zur richtigen Zeit, die richtigen Worte zu finden. (Trotz Rechtschreibfehlern, hihihi)

      Liebe Grüße
      Nika

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  6. Liebe Nicole,

    ein schöner Grund, ab und zu mal vom Internet abwesend zu sein. ;) Und noch schöner, dass du den Grund mit uns hier teilst; das ist eine tolle Sache, die ihr beiden da macht! Respekt!
    Ich wünsche dir und dem Helden weiterhin viele schöne Glücklich-mach-Stunden mit euren neuen Vierbeinern! :)

    Ganz liebe Grüße
    Sunray

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    1. Liebe Sunray,

      ich wollte schon so lange darüber schreiben und mein Glück mit Euch teilen. Aber ganz ehrlich: Mir ist es schwergefallen, die richtigen Worte zu finden. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich wirklich zum Ausdruck bringen konnte, was mir das Ehrenamt bedeutet, aber es fühlt sich toll an, endlich darüber einen Post verfasst zu haben. So wird das Ganze etwas realer.

      Fühl Dich ganz fest gedrückt.

      Liebe Grüße
      Nicole

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