13. Februar 2016

Unplugged

So lange war es noch nie still auf StreifenLiebe. Aber es war nötig und wichtig. Und nach anfänglichem schlechten Gewissen fühlte es sich auch bald richtig an. Der Rechner blieb tatsächlich die meiste Zeit aus, in den Weiten des WWW war ich so gut wie gar nicht unterwegs.
Sicherlich, ich habe das Bloggen sehr vermisst, ebenso wie Blogs zu lesen, Instagram zu durchstöbern und am Leben anderer teilhaben zu dürfen. Und auch wenn es anfangs schwer war, so merkte ich mit und mit, dass es gar nicht so schlimm ist, unplugged zu sein. Im Gegenteil: Es fühlte sich ab einem gewissen Punkt sogar gut an. 

Eine krankheitsbedingte Zwangspause ist per se nicht schön, aber ich habe das Beste daraus gemacht und die Zeit genutzt, um über vieles nachzudenken und meine Prioritäten neu zu setzen. Ich habe mich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, was mir wichtig ist, was mich glücklich macht und in was ich wirklich Zeit investieren möchte. Es hat mich selbst überrascht, was sich so alles "Unwichtiges" in meinem Leben "tummelt", was ich eigentlich für essentiell gehalten habe. Und gleichzeitig ist mir bewusst geworden, dass ich die vielen kleinen Glücklichmacher in den vergangenen Monaten übersehen habe; zum einen aus Unachtsamkeit und zum anderen, weil sie von dem, was ich für wichtig hielt, überlagert wurden. 
Ich habe gemerkt, dass ich mich selbst (ja, auch meine Gesundheit) sträflich vernachlässigt habe und zu sehr darauf bedacht war, das zu machen, was von mir erwartet wird. Immer präsent zu sein, meine Zeit möglichst effektiv zu nutzen und mich an den Bedürfnissen anderer zu orientieren. "Allen soll es gut geht und ich möchte jedem gerecht werden", so dachte ich - und habe darüber einfach mich selbst vergessen. Nicht zum ersten Mal - und wie ich befürchte, auch nicht zum letzten Mal. 

Ich habe gemerkt, dass mein Leitgedanke do more of what makes you happy zunehmens mit meinem etwas verqueren Verantwortungsbewusstsein kollidierte, welches ich auch gerne "Superheldensyndrom" nenne. Versteht mich nicht falsch: Ich leide nicht unter der Vorstellung, Superkräfte zu besitzen und mit ihnen die ganze Welt retten zu können. Aber ich fühle mich generell für alles und jeden verantwortlich. Dieser Gedanke basiert auf einem anderen: Ich möchte, dass es allen in meiner Umgebung so gut wie möglich geht, dass sich jeder wohlfühlt - und das leider in einem für mich ungesunden Maß. Und so bin ich "gefangen" in diesem binären Denkmuster, in dem es nur "entweder-oder" gibt; in dieses Muster fügt sich ein do more of what makes you happy nur schwer ein. Und dennoch unternehme ich den Versuch - und ich werde immer besser darin. Babysteps in die richtige Richtung. 

Ich habe mich auch gefragt, was die Erkenntnis nun für StreifenLiebe bedeutet, zumal ich ja HIER bereits geschrieben habe, dass es noch unbeantwortete Fragen hinsichtlich meines weiteren Bloggerweges gibt. Aber bevor Ihr jetzt möglicherweise auf falsche Gedanken kommt: StreifenLiebe bleibt! Ich habe nicht vor, mit StreifenLiebe bzw. dem Bloggen aufzuhören. Nur gilt für mich auch hier - wie auch im Leben 1.0 - mein Leitgedanke:  do more of what makes you happy. Das bedeutet: Ich stresse mich fortan weniger mit meinen eigenen verqueren Ansprüchen an mich selbst. Ich möchte auch weiterhin so bloggen wie bisher, nur möchte ich mich eben nicht mehr selbst unter Druck setzen, was bspw. die Taktung angeht.

Wer bei diesen Worten nun an das Slow Blogging Movement denkt, der liegt gar nicht so falsch und dennoch auch nicht ganz richtig. Mir gefällt der Grundgedanke:

Slow Blog is about only writing when it feels right. 

Und diesem Grundgedanken folge ich sehr gerne (insofern liegt man nicht ganz falsch). Allerdings möchte ich keinen "Regeln" (HIER) einer Bewegung folgen müssen, um der Bezeichnung "Slow Blogger" gerecht zu werden. Ich folge ungern Regeln und mache mir (ich erwähnte es bereits oft) lieber meine eigenen Regeln. Ganz so wie beim Kochen: Ich sehe ein Rezept; die Grundidee gefällt mir, aber ich halte mich nicht streng ans Rezept, sondern nehme das, was mir gefällt und mache etwas Eigenes daraus, eben ganz so wie ich es mag.

Bitte versteht mich auch hier nicht falsch: Ich liebe das Bloggen (mit allem, was dazu gehört) und ich liebe den Austausch mit Euch. Aber manchmal fällt es mir schwer, die richtige Balance zu finden, wenn das Leben 1.0 mich gerade fordert. Und damit meine ich nicht nur die unschönen Momente, sondern auch die vielen wunderbaren Momente, die ich des Öfteren nicht wirklich ausgiebig genieße, weil ich gedanklich schon wieder bei etwas anderem bin. Das möchte ich ändern. Dringend! Ich möchte jeden Moment genießen und ihn mir bewusst machen und mich eben nicht unter Druck setzen, weil dies oder jenes jetzt "unbedingt" noch gemacht werden muss - ganz gleich, ob das, was gemacht werden muss etwas Tolles (wie einen Post schreiben) oder etwas weniger Schönes ist (wie die Papiere für die Steuer sortieren). Im Sinn habe ich dabei den GlücksGedanken, den ich am Montag veröffentlicht habe und der mich leiten soll: 




So möchte ich leben - und bloggen! 

Das alles zu erkennen, war nicht leicht und eine krankheitsbedingte Auszeit für einen solchen "Klärungsprozess" zu nutzen, war vielleicht auch nicht die beste Idee, aber es war - ich betone es noch einmal - wichtig für mich.


Kommentare so far

  1. Liebe Nicole,
    ich dachte fast du hast einen Text über mich und meine letzten 2-3 Monate verfasst. Ich kann das gut verstehen!
    Ich würde dich, nachdem ich inzwischen eine geraume Zeit hier mitlese, gern bestärken, zu tun was für dich gut ist. Außerdem hab ich als Leserin (ohne eigenen Blog) sehr oft hier das Gefühl dass du dich erklärst und häufig uns Lesern gegenüber rechtfertigst. Für seltenere Beiträge, für geändertes Design, ... Bitte sei mir nicht böse für diesen kritischen Gedanken.
    Ich denke du brauchst das garnicht. Es ist dein Blog. Deine Leser mögen deine Art zu schreiben und zumindest ich lese lieber etwas über deine Erfahrungen und Gedanken als irgendwelche Rechtfertigungen. Du hast eine Sache so und so gemacht....gut...du bist eine starke Frau und wirst deine Gründe gehabt haben. Und wer das Ergebnis nicht mag, der kann ja gehn. Vielleicht kommen dafür 2 neue. Oder aber es geht eh keiner...
    Ich habe leicht reden, denn ich rechtfertige und erkläre mich auch so oft und krieg es nicht abgestellt. Obwohl ich weiß, dass ich damit implizit zeige, dass ich nicht so richtig hinter meiner eigenen Entscheidung stehe.
    Ich les jedenfalls weiter gerne mit und an meiner Wand hängt auch der Satz "do more of what makes you happy", der in letzter Zeit zu Lasten der Gesundheit so garnicht oder nur sehr wenig gelebt wurde.
    Ich wünsch uns viel Erfolg beim achtsam (bewusst nicht mindfully....ich denk da immer an a mind full of thoughts und damit eher an Gedankenchaos und Schleifen) und gut zu uns selber sein!
    Alles Liebe,
    Angela

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    1. Liebe Angela,

      ich danke Dir herzlich für Deine offenen Worte. Und nein, ich bin ganz und gar nicht böse für diesen "kritischen Gedanken". Du hast absolut recht! Ich neige dazu, mich immer zu erklären - sowohl ich Leben 1.0 sowie auch im 2.0. So bin ich nun mal und als Wissenschaftlerin/Dozentin ist es auch angebracht. Aber im "privaten" stört mich das selbst, nur meist fällt es mir gar nicht auf. Definitiv etwas, an dem ich arbeiten muss.

      Allerdings sehe ich es etwas anders als Du: Ich denke nicht, dass jemand, der sich erklärt implizit damit offenbart, dass er nicht 100%ig hinter seiner Entscheidung steht. Sondern sehe es als das, was es ist: eine Erklärung. Ob sie nötig oder sinnig ist, steht auf einem anderen Blatt. ;-)

      do more of what makes you happy - Jaaa, dieser Satz hängt auch an meiner Wand und soll mich immer wieder "an mich" erinnern. Denn wie schnell vergisst man sich selbst...

      Auch ich wünsche uns von ganzem Herzen, dass wir (weiterhin) achtsam durchs Leben gehen und gut zu uns sind.

      Nochmals herzlichen Dank für Deine Worte, die mir viel bedeuten.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, Nicole. Hör auf Dein Herz und Dein Bauchgefühl, dann wird alles genau richtig sein.

    Liebe Grüße,
    Tina

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    1. Liebe Tina,

      dankeschön! Fühl Dich ganz fest gedrückt!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Ich freu mich wieder etwas von dir zu lesen.. :) Und ich versteh echt gut was du meinst.. Ich selbst blogge auch eigentlich nur noch, wenn ich auch das Gefühl habe etwas sagen zu können und es auch gut sagen zu können.. Natürlich ich versuche bei dem 12v12 mitzumachen und seit einigen Monaten hab ich mir selbst die 10 Fakten am 10.-Reihe auferlegt, aber ansonsten poste ich nur, wenn es sich richtig anfühlt.. und ich finde das bei anderen Bloggern auch in Ordnung, weil ich - zugegebenermaßen - auch gar nicht die Zeit finde alle Posts am Tag, wo sie veröffentlicht wurden zu lesen.. Das bedeutet, dass es mir manchmal also gar nicht auffällt, wenn ein Post statt sonst immer am Dienstag erst am Mittwoch online kam.. Oo :D
    Ganz liebe Grüße aus dem hohen Norden,
    Nadja

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    1. Liebe Nadja,

      ganz lieben Dank für Dein Kommentar und den "Kopf-zurechtrücken". Man selbst macht sich meist viel zu viele Gedanken, auf die andere gar nicht kommen, oder?!

      Bloggen - so wie es sich richtig anfühlt. Dieser Gedanke gefällt mir sehr gut! Ich wünsche uns beiden weiterhin viel Erfolg damit - und dass wir uns selbst weniger stressen.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. Hallo du Liebe! Ich habe so oft an dich gedacht und gehofft, dass es dir gut geht! Das "richtige" Leben geht auf jeden Fall immer vor und das Bloggen sollte sich nicht als Verpflichtung anfühlen. Für mich ist es oft eine Möglichkeit, was Schönes zu machen, wenn mich der Alltag eher belastet. Unsere Blogs sind unsere eigenen kleinen Plätze im großen weiten Internet, und ich finde, wir dürfen damit machen, was uns gefällt und Spaß macht!
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!
    Herzliche Grüße, Kirsten

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    1. Liebe Kirsten,

      herzlichen Dank für Deine Worte! Ja, das mit dem "gut gehen" ist so eine Sache; auch wenn ich das eine überstanden habe, so rückte gleich das nächste nach und 100%ig gesund bin ich leider immer noch nicht. Aber das wird schon...

      "Unsere Blogs sind unsere eigenen kleinen Plätze im großen weiten Internet [und] wir dürfen damit machen, was uns gefällt und Spaß macht!" - Das habe ich mir gleich als Quote ausgedruckt und aufgehangen. Dankeschööön! <3

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Liebe Nicole,

    Wie immer freue ich mich sehr, von dir zu lesen. Du wirst wissen, was für dich gut ist und wie du schreiben magst. Ich möchte mich aber auch Angelas Kommentar anschließen: Du musst dich nicht immerzu entschuldigen. :) Es ist dein Blog und wenn es mal eine längere Pause gibt, dann ist das nichts, wofür du dich rechtfertigen musst. Ich glaube auch, dass ich nachvollziehen kann, weswegen du des Öfteren "Versteht mich nicht falsch" schreibst... Aber in meinen Augen wäre auch dies gar nicht möglich! Du schreibst das, was du schreiben und sagen willst. Ja, es wird immer Menschen geben, die dich falsch verstehen (wollen), aber da kannst du nichts gegen tun. Auch Erklärungen und Rechtfertigungen helfen dabei meist nur bedingt.
    Ich persönlich lese ja viel liebe von deinem Yoga, von deinen Rezepten und kleinen und großen Neuigkeiten aus deinem Leben, aber... wenn du über ein Thema wie eben das "unplugged sein" schreiben magst, dann tu es! Du musst dich nicht rechtfertigen, du musst dich nicht erklären. Dein Blog, dein Leben, deine Worte.

    Alles Liebe
    nika

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    1. Liebe Nika,

      vielen lieben Dank für Deine Worte. Ich habe auf Angelas Kommentar bereits geantwortet und das passt auch zu Deinem.

      Ich danke Dir von Herzen für die Erinnerung: "Dein Blog, dein Leben, deine Worte." Ein guter GlücksGedanke! ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  6. Hallo Nicole,

    wie recht du hast. Zwar hatte ich nur kurze Zeit im letzten Jahr einen gewissen Rhythmus beim Bloggen, den ich so gerne ins neue Jahr retten wollte. Doch was ist draus geworden? Ich habe 2-3 Wochen mit mir gerungen, ob ich mich an den Rechner setze oder nicht, was ich schreibe könnte usw. Dann endlich der erste Post in 2016 mit dem Wunsch, jetzt geht's richtig los. Tolle Pläne gemacht, gutes Gefühl gehabt und voll motiviert gewesen. Doch das hielt leider nicht lange. Nun sind wieder fast 4 Wochen vergangen bis zum nächsten Post, nun versuche ich mir realistischere Ziele zu stecken. Der Gedanke eines "slow Bloggers" gefällt mir dabei sehr.

    Gerade gestern habe ich ein Seminar zu Kraftquellen besucht und dabei festgestellt, was mir gut tut und was weniger. Denke ich bin alles in allem auf einem guten Weg zu mehr Gelassenheit, Achtsamkeit und Genießen im Leben, es könnte aber noch besser sein. Daher kann ich deinen Ansatz nur voll unterstützen. Mach es so, wie es sich für dich richtig anfühlt und vor allem gut tut. Spaß und das Leben genießen ist so wertvoll, daran werden wir uns später erinnern. Nicht an die selbstgesteckte Deadline, die wir mehrmals verschoben haben, uns womöglich Vorwürfe machten.

    Danke fürs Teilen.
    Viele liebe Grüße, Silke

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    1. Liebe Silke,

      vielen lieben Dank für Dein Kommentar. Der erste Absatz hätte auch von mir sein können. ;-)

      Ich freue mich sehr zu lesen, dass Du auf einem guten Weg bist. Ich denke, dass ich das auch bin, nur leider nehme ich manchmal die falsche Abzweigung und dann wirds holprig. ;-) Aber so ist das nunmal: Das Leben ist kein Zustand, sondern ein Prozess. ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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