2. Juni 2015

Die Lust am Einfachen

Die neue Lust am Einfachen: Aufgrund des Titels (und auch weil das Cover so unheimlich schön gestaltet ist) kaufte ich die SLOW. Denn diese Lust am Einfachen (Leben) empfinde ich auch und so gestalte ich mein Leben. 

Mein Leben war anders geplant – wesentlich komplexer. Ich wusste, was ich wollte: eine Karriere, ein großes Haus, ein „dickes“ Auto (genau dieses) und was sonst halt noch dazu gehört. Und die Sterne standen gut, dass ich all dies auch erreichen würde. Schon während meines Grundstudiums bot mir mein Professor an, nach meinen Studium zu promovieren. Mir gefiel der Gedanke und so studierte ich schnell. Direkt (und das meine ich wörtlich) nach meinem Abschluss begann ich an der Uni zu arbeiten und zu promovieren; ich bastelte fleißig an meiner Karriere. Ich hatte i.d.R. eine 7-Tage-Woche, habe immer gerarbeitet, es gab immer etwas zu tun. Pausen gönnte ich mir kaum, denn ich hatte ja Spaß beim dem, was ich tat. Ich war eine Art Workaholic und es fühlt sich sich richtig und gut an.

Alles lief nach Plan. Eigentlich hätte ich glücklich sein müssen. War ich aber nicht. Der Traum von der Karriere (der Stück für Stück mehr zum Greifen nah war), dem großen Haus, dem „dicken“ Auto und alles, was sonst noch dazu gehört – all‘ das fühlte sich mehr und mehr nicht mehr nach mir an. Dieses Gefühl war enorm verstörend und verunsicherte mich. Dennoch hielt ich an meinem Plan fest. Eine Zeit lang zumindest und wurde immer unglücklicher. 
Eines Tages musste ich mir selber eingestehen, dass ich mich verändert hatte. Ich wollte dieses komplexe Leben nicht mehr. Ich spürte, dass mir all diese Dinge, von denen ich dachte, dass sie mich glücklich machen, nicht gut für mich waren und ich sie auch nicht mehr erreichen wollte. Also setzte mich mit dem diffusen Gefühl auseinander, fragte mich, ob der Weg, den ich eingeschlagen hatte, noch der richtige war. Und umso mehr ich das tat, umso mehr merkte ich, dass mein Plan eigentlich gar nicht mehr zu mir passte.

Der Prozess war schleichend, aber die Veränderung gewaltig. Ich bin heute nicht mehr dieselbe Person wie vor ein paar Jahren. Ich habe mein Leben geändert, einen anderen Weg eingeschlagen und habe heute andere Pläne und Ziele. Ich lasse meinen Leben und mir heute viel mehr Raum. Ich strebe nicht mehr nach etwas, das zwar für mich erreichbar ist, aber mich nicht glücklich macht.

Ich entdeckte die Lust am Einfachen. Okay, ich lebe nicht in einem Tiny House auf Rädern, habe nicht meinen ganzen Besitz verschenkt und habe immer noch einen Fernseher. Aber all‘ das meine ich auch gar nicht, wenn ich davon spreche, dass ich diese Lust am Einfachen verspüre. Für mich bedeutet dies, dass ich den kleinen Dingen im Leben wahre Bedeutung zumesse und mich darauf konzentriere, was mir wirklich guttut und was mich glücklich macht. Sei es ein Spaziergang im Wald, ein schlumpfiges Wochenende mit meiner kleinen Familie, ein gutes Buch, frische Blumen, Zeit für meine Lieben und mich oder das Gefühl ein echtes Zuhause zu haben, in dem ich mich sicher und geborgen fühle, eines das ich von Herzen liebe (auch wenn es nur 53qm klein ist) und noch nicht bereit bin, zu verlassen (bis es soweit ist, rücken wir einfach alle etwas zusammen, die Bücher stört das nicht und ich kuschel sowieso gerne).  

Ich möchte heute viel weniger erreichen oder besitzen (total unmodern für eine Frau von heute, ich weiß), lebe insgesamt bewusst reduzierter. Aber ich verzichte auf nichts mehr, was mich glücklich und zufrieden macht, sondern genieße das Leben. Das ist für mich die Lust am Einfachen und danach gestalte ich mein Leben mit Freude.



Kommentare so far

  1. Liebe Nicole, dein Post macht dich noch sympathischer! Toll wenn auch so junge Menschen wie du schon die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu schätzen wissen. Mich hätte noch interessiert, ob sich die Zeitschrift lohnt ;-)
    Herzlichst Ulla

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    1. Liebe Ulla,

      herzlichen Dank für Deine lieben Worte. Aber sooo jung bin ich gar nicht mehr. ;-)

      Hm, ob sich die Zeitschrift lohnt? Es war meine erste Slow und das Layout spricht mich total an. Inhaltlich schwanke ich noch etwas, da mir tendenziell zu viele "Lifestyle-Kauf-mich"-Tipps enthalten sind. Ich werde mir die nächste Ausgabe noch ansehen und dann entscheiden. Mein Rat: Schau sie Dir im Laden mal genauer an und entscheide dann - das hier ist halt nur mein persönlicher Eindruck.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Liebe Nicole
    Über Instagram bin ich auf diesen Beitrag gestoßen . Ich sehe das genauso wie du, sehr guter Artikel.

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    1. Herzlichen Dank! Das ist ein sehr, sehr persönlicher Post und wenn andere meine Gedanken teilen oder sich angesprochen fühlen, dann macht mich das sehr glücklich. Und nebenbei fühlt man sich weniger "seltsam". ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Liebe Nicole,
    ich lese die Slow auch sehr gerne und was du schreibst ist so wahr. Ich versuche auch die kleinen, einfachen und ja auch alltäglichen Dinge zu genießen und ich bin dadurch auch sehr viel zufriedener geworden.
    Liebe Grüße,
    Kerstin M.

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    1. Liebe Kerstin,

      ich freue mich wahnsinnig über Deinen Zuspruch. Das tut wirklich gut und macht mich glücklich.

      Was die Slow angeht: Es war meine erste Ausgabe und restlos überzeugt bin ich noch nicht. Aber die nächste Ausgabe werde ich mir auf jeden Fall auch noch ansehen.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. Liebe Nicole, ich kann so gut nachvollziehen und verstehen, von was Du sprichst. Noch während meines Studiums wollte ich eine Karriere "um jeden Preis". Im Alltag danach "nur" noch Karriere. Als ich 30 wurde, habe ich beschlossen, dass ich das erreicht habe, was ich erreichen wollte und habe meinen Top Job als Unternehmensberaterin eingetauscht, um das zu tun, was mir in meinem Nebenjob zum Studium am meisten Spaß gemacht hat: Fliegen! Diese Entscheidung fiel mir seinerzeit nicht leicht und war und ist bis heute mit tiefen finanziellen Einschränkung verbunden. Und dennoch, ich habe meine Entscheidung nie bereut.

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    1. Hach, liebe Heike! Deine Worte und Deine Offenheit tun sooo gut! Es ist schön, dass wir "ähnliche" Erfahrungen bzw. Entscheidungen getroffen haben und - trotz aller Widerstände (das mit den finanziellen Einschränkungen kenne ich gut) - uns gut mit den Entscheidungen fühlen und sie uns letztlich glücklicher und zufriedener machen.

      Ich freue mich wahnsinnig, dass Du das machst, was Du liebst: Fliegen. Wunderbar! Vor allem, weil ich (wir) via Instagram Deine tollen Bilder von Deinen Reisen sehen darf. ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Schön, dass Du dann doch DEN Weg für Dich gefunden hast Nicole und mit dieser Entscheidung glücklich bist. und wie schöööön, dass ich keine Magazine mehr kaufe, denn sonst hätte ich die vermutlich schon....höhö.
    Liebe Grüße Nina

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    1. Ich bin auch sehr froh darüber! ;-)

      Ja, das Slow-Magazin würde Dir sicherlich in weiten Teilen gefallen. Aber ob es sich wirklich lohnt? Hm, ich warte die nächste Ausgabe ab.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  6. Liebe Nicole!
    Wie gut, dass du für dich irgendwann gemerkt hast, dass das nicht dein dauerhafter Weg sein kann und dann auch wirklich etwas geändert hast. Denn gerade das Ändern ist ja meist das schwierige!
    Tja, wie das Leben manchmal so spielt... Verrückt, nicht wahr?!
    Ich hatte ja auch mal 60 Stunden-Wochen aufwärts... Kann ich mir auch gar nicht mehr vorstellen...
    Lieber das Leben in kleinen, langsamen Schritten gehen und dabei aber das Leben viel mehr genießen :-)
    Liebe Grüße!
    Frauke

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    1. Absolut richtig: Lieber das Leben in kleinen, langsamen Schritten gehen und dabei aber das Leben viel mehr genießen :-) DAS ist auch mein Motto (geworden). ;-)))

      Liebe Grüße
      Nicole

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  7. Sehr schön geschrieben!

    Ich habe mein Leben auch eigentlich anders geplant, aber merke so langsam, dass ich doch ziemlich glücklich mit dem bin, was jetzt ist. Ich versuche weniger zu planen (und weniger an die Zukunft zu denken) und mehr im Augenblick zu leben.

    Liebe Grüße, Biene

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    1. Liebe Biene,

      das klingt wunderbar: "weniger planen und mehr im Augenblick leben". Genau das ist es, was ich auch mache. Auch wenn es nicht jeden Tag klappt (manchmal übernehmen z.B. Sorgen und Ängste die Führung), so ist diese Lebenseinstellung für mich definitiv die Gesündere und die, die langfristig glücklich macht.

      Wünsche Dir ein tolles Wochenende!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  8. Liebe Nicole, vielen Dank für diesen ehrlichen und so persönlichen Post von dir. So habe ich dich noch einmal etwas anders und besser kennen gelernt. Diese Ehrlichkeit und dass du eingestehen kannst, dich so sehr verändert zu haben, machen dich super sympathisch. In den letzten Tagen habe ich ziemlich viel über Veränderungen nachgedacht, weil ich mal wieder irgendwo gelesen hatte, dass sich der Mensch alle 7 Jahre verändert, und da kommt dein Bericht gerade recht. :)

    LG
    Nika

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    1. Liebe Nika,

      hihi, das mit den "alle 7 Jahre" kenne ich auch noch aus dem Bio-Unterricht. Ich habe das bisher noch gar nicht auf den "Mensch an sich", sondern nur auf seinen Organismus bezogen. Aber den Bezug auf den gesamten Menschen finde ich interessant.

      Dieser Post ist in der Tat sehr persönlich und war ein stückweit auch heilsam für mich. Die Veränderung war mir längst bewusst, aber all das noch mal niederzuschreiben und es dann "schwarz auf weiß" zu sehen, war wichtig.

      Vielen lieben Dank für Deine lieben Worte!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  9. Danke, dass wir dich wieder ein bisschen besser kennen lernen durften... ein sehr schöner Beitrag... und ja... was zählt, sind die schönen, kleinen Dinge im Leben... was nützt dir das Geld, die 60-70h Stunden Woche, wenn du zu Hause dann nur platt ins Bett fällst... ??

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    1. EXAKT! So ging es mir oft, obwohl ich meist von zuhause aus gearbeitet habe. Und dennoch: Mitbekomme habe ich nicht viel, da ich nur am Schreibtisch "klebte". Jetzt lebe ich! :-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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