19. März 2015

Mein Blog als privates Tagebuch?! {Schreibzeit}

Schon wieder zwei Posts an einem Tag? Ja, schon wieder (so wie bei meinem letzten Schreibzeit-Post HIER). Auch diesmal war es nicht geplant. Aber als ich eben den neuen Schreibzeit-Post (HIER) von Bine gelesen habe, indem sie fragt, ob unsere Blogs für uns wie private Tagebücher sind, sprudelten meine Gedanken nur so. Und dass, obwohl ich schon bei der Überschrift stutzte: Mein Blog - ein privates Tagebuch? Anders ausgedrückt: StreifenLiebe als privates Tagebuch bezeichnen? Käme mir nie in den Sinn. 

Ein privates Tagebuch ist privat, also unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit oder Familie oder was auch immer verfasst und aufbewahrt. Es gehört mir. Mir ganz alleine. Das bekommt niemand zu sehen. Würde ich heute noch Tagebuch schreiben, dann würde ich es wie Friedrich Schiller machen: Sollte ich das Glück haben, in vielen, vielen Jahren zu merken, dass das Ende naht, so würden alle Tagebücher, private Notizen, Aufzeichnungen etc. vernichtet. Punkt.

Ich weiß noch, dass meine beste Freundin während unserer gemeinsamen Studienzeit immer scherzte, dass sie meine Tagebücher (aus meiner Jugend), Briefe und Notizblöcke, die wir während langweiliger Vorlesungen mit Klatsch und Tratsch, allerlei Unsinn, viel Privatem und tiefschürfenden Gedanken vollgeschrieben haben, später alle einmal alle veröffentlichen würde, wenn ich denn dann mal berühmt bin. Sie war nämlich der festen Überzeugung, dass ich einmal berühmt werde. Warum sie diese fixe Idee hatte, kann ich mir selbst bis heute nicht erklären.

Aber: Ihre Idee, meine Tagebücher, Briefe etc. zu veröffentlichen und damit "reich" zu werden, verstehe ich, denn sie kam nicht von ungefähr: Einen Großteil des Studiums der Literaturwissenschaft verbringt man nämlich damit, die eigene Nase tief in die Tagebücher berühmter Menschen (d.h. in unserem Fall: Schriftsteller) zu stecken. Man vertieft sich mehr und mehr in ihre Welt, erfährt von ihren geheimsten Gedanken und macht sich ein bestimmtes Bild von dieser Person. Das kenne ich nur zu gut. Ein Großteil meiner Doktorarbeit bestand darin, die Tagebuchfragmente von C.G. Carus zu lesen. Und ich muss gestehen: Ich mag diesen Mann unheimlich gerne. So wie er sich beschreibt, sein Wesen und seine Lebensweise, seine Art, die Welt zu sehen - all' das ist mir unheimlich sympathisch und ich fühle mich ihm nahe, manchmal sogar näher, als Menschen, die ich tatsächlich kenne.
Aber - und das ist jetzt elementar - wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um die Tagebücher von Schriftstellern, berühmten Persönlichkeiten etc. handelt, die zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt in der (Literatur-)Geschichte damit rechnen mussten, dass man später einmal (i.d.R. nach ihrem Ableben) ihre Tagebücher lesen wird (denkt man nur mal an Goethes Tagebücher). Hat man dies also im Hinterkopf, dann lesen sich die Tagebücher plötzlich anders. Gar nicht mehr so privat und intim, sondern in vielen Fällen recht konstruiert. Denn mit dem Wissen, dass andere Menschen diese Zeilen später vielleicht einmal lesen werden, schreibt man i.d.R. dann doch anders. Das sollte man bedenken. 

Mit meinem Blog sehe ich es ähnlich: Mache ich ihn öffentlich, so muss ich damit rechnen, dass andere Menschen meine Texte lesen. Das ist mir vollkommen klar und auch bewusst. Und dementsprechend schreibe ich anders und veröffentliche hier nicht jedes private Detail aus meinem Leben.
Bine schreibt, dass sie erstaunt darüber ist, dass es Blogger gibt, die erklären, dass sie "nur für sich" schreiben. Da geht es mir genau wie Bine; mich erstaunt das auch, da ich es persönlich nicht verstehen kann. Was genau ist damit gemeint?

Denke ich an mich, so muss ich feststellen: Wenn ich "nur für mich" schreiben würde, dann würde ich persönlich ganz anders schreiben. Meine Gedanken wären teilweise wirr, unverständlich und würden auf Außenstehende vielleicht wie ein geheimer Code wirken. Das ist die Art, wie ich meine Gedanken für mich notiere. Diese "Texte" (wenn man das dann so nennen möchte) wären für Außenstehende kaum zu entziffern oder auch nur ansatzweise so zu verstehen, wie es vielleicht von mir gemeint ist.

Aber vielleicht ist die Aussage, dass man "nur für sich" schreibt auch anders zu verstehen, also nicht zwingend wörtlich. Vielleicht sollte man die Perspektive ändern. Vielleicht bedeutet es, dass man Texte so schreibt, wie es einem selbst gefällt, dass man seine Gedanken einfach fließen lässt, ohne dabei (zwingend) daran zu denken, ob z.B. der Textaufbau oder die Gedankengänge für Leser verständlich sind. Oder man greift Themen / Ereignisse / Begegnungen auf,  die einem selbst am Herzen liegen, ohne darüber nachzudenken, ob dieses Thema auch für andere Menschen interessant oder verständlich oder nachvollzierbar ist. Oder ... die Liste lässt sich sicherlich noch fortsetzen.

Wenn ich das aus dieser Perspektive betrachte, dann muss ich feststellen: Ich schreibe zum Teil auch "nur für mich". Denn ich kümmere mich z.B. wenig bis gar nicht um irgendwelche "Blogthementrends". Ich schreibe hier auf StreifenLiebe ausschließlich über Themen, die mich selbst interessieren. Ich veröffentliche nur das, was mir selbst gefällt und was ich selbst lesen möchte/würde.

In einem gewissen Sinne ist StreifenLiebe also wirklich ein privater Blog ist, denn ich schreibe hier über "meine kleine Welt". Über all das, was mich begeistert, was mich bewegt, was ich entdecke und was ich erlebe etc. Allerdings - ich erwähnte es bereits - sind mir mögliche Leser bewusst. Also achte ich beim Schreiben natürlich auf den Textaufbau, die innere Logik etc. Aber von der Lesbarkeit der Texte abgesehen, denke ich nicht darüber nach, ob jemandem das Thema, über das ich gerade schreibe, gefällt oder nicht. Ich frage mich auch nicht ständig, ob meine Leser nun lieber das oder das lesen möchten. Natürlich freue ich mich wahnsinnig, wenn Leser meine Rezepte mögen oder sie meine eher persönlichen Texte interessieren und vielleicht sogar ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich. Oder die Leser eine ganz neue Sichtweise ins Spiel bringen. Das alles ist wunderbar und der Austausch mit meinen Lesern ist mir sehr wichtig. Er bringt mich persönlich auch weiter, fördert mich und bereichert mein Leben.
Aber schreibe und veröffentliche ich einen Post, dann denke ich im Vorfeld über all das nicht nach. Ich schreibe einfach das, worauf ich gerade Lust habe. Ich schreibe natürlich auch über private und persönliche Themen (z.B. in meiner Reihe BUGfixing), das ist mir wichtig und gehört zu StreifenLiebe. Ich gebe gerne etwas von mir preis und lasse Leser an meinem Leben teilhaben. Ich bin hier so, wie ich nun mal bin. Authentizität ist für mich elementar. Allerdings gebe ich von meinem Leben und mir nur so viel preis, wie ich es vor mir selbst auch vertreten kann. Im Leben 1.0 bin ich schüchtern und zurückhaltend, erzähle nicht jedem Menschen alles über mich und schütze meine Privatsphäre. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Und genau so möchte ich es auch hier auf StreifenLiebe halten. 

In diesem Sinne kann ich aus vollem Herzen sagen: Mein Blog ist kein privates Tagebuch. Und das ist auch gut so. Punkt.


Bines eigenen Beitrag und alle anderen Beiträge findet Ihr HIER.


Und falls Bine das hier lesen sollte: Ich möchte Dir ganz herzlich für Deine tolle Schreibzeit-Reihe danken, die mich immer wieder aufs Neue begeistert und mich zum Reflektieren anregt. Dankeschön!



Kommentare so far

  1. Guten Abend Nicole,

    ich gebe dir aus tiefstem Herzen Recht. Natürlich enthält der Blog Persönliches, weil man dort über seine Interessen oder Erlebtes berichtet. Das macht es ja auch so interessant in anderen Blogs zu stöbern. Man erweitert die eigene Perspektive. Bekommt neue Gedankenanstöße. Das heißt aber nicht, wie du richtig sagt, dass man gleichzeitig sein Innerstes preis geben muss. Wer will, darf natürlich.
    Die Sache mit dem "ich schreibe nur für mich" kommt glaube ich aus einer anderen Ecke. Ich lese das vor allem bei Leuten die mit dem Bloggen gerade erst angefangen haben. Ich hab das auch damals geschrieben. Ich glaube das liegt einfach daran, dass man diese unglaublich erfolgreichen Blogs sieht und ziemlich schnell merkt, dass man selbst als kleines Licht wenig bis keine Resonanz bekommt. Aus Selbstschutz sagt man dann, naja, ich tue das für mich und es ist mir erst mal nicht wichtig, ob ich jemanden damit erreiche. Zumindest bei mir war es so. Es hat mich damals nämlich ziemlich gewurmt, dass ich mein Herzblut in den blog gesteckt habe, aber so gut wie nicht wahrgenommen wurde. Was liegt da näher, als erst mal zu erklären, dass der Blog gar keinen höheren Zweck verfolgt, außer für mich selbst da zu sein. Was meinst du?

    Es grüßt,
    die Mimi

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    1. Liebe Mimi,

      vielen lieben Dank für Dein ausführliches Kommentar und die interessante neue Perspektive. So habe ich das noch nie gesehen, also als eine Art "Schutzfunktion". Macht aber absolut Sinn.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Natürlich lese ich mit! ;-) Zumindest die #Schreibzeit Postings versuche ich alle zu lesen!
    Danke, dass Du wieder dabei bist und danke für Deine Gedanken zu diesem Thema.
    Ich kann diese alle gute nachvollziehen!
    Liebe Grüße & schönes Wochenende, Bine

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    1. Liebe Bine,

      lieben Dank für Dein Kommentar. Ich freue mich immer sehr auf Deine Reihe und freu mich schon auf Dein nächstes Thema.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Hallo Nicole!
    Ich muss dir tatsächlich zustimmen und da ichselbst Germanistik studiere verstehe ich nur zu gut, wie ein privates Tagebuch irgendwie echt aber irgendwie auch nicht echt sein kann. ;)

    Liebe Grüße
    Alexandra

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    1. Manchmal denke ich: Schade, dass ich so viel über Literatur weiß, das nimmt dem ein oder anderen Werk wirklich seinen Zauber. Geht Dir das auch so?

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. Liebe Nicole!
    Ich hab vorhin auch Bines Thema gelesen und tue mich damit, wie auch bereits im letzten Monat recht schwer. Umso schöner, dass deine Gedanken direkt gesprudelt sind :-)
    Viele Punkte kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich denke mir gehts in vielem ähnlich. "Für sich schreiben" heißt, dass man darüber schreibt, was einen gerade interessiert/beschäftigt und NICHT, was die Leser lesen wollen.
    Du kommst mir hier immer sehr authentisch vor und das mag ich sehr! Es gibt andere Blogs, wo ich mich beim reinlesen frage, wer wohl die Person dahinter sein mag. So verstellt oder so unterschiedlich und nicht klarlinig sind die Texte.
    Ich wünsch dir einen schönen Abend!
    Liebe Grüße,
    Frauke

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    1. Liebe Frauke,

      herzlichen Dank für das wunderbare Kompliment! Für mich eines der schönsten Kompliment, die man einem Blogger machen kann. Dankeschön!

      Und ich gebe Dir vollkommen recht: Ich habe da auch so ein zwei Blogs, die lese ich eigentlich gerne, da die Texte schön sind, die Bilder auch, die Themen interessieren mich... Aber dennoch merke ich zunehmend, dass ich mein "Interesse" mehr und mehr an diesen Blogs verliere, da ich seit so langer Zeit die Person hinter dem Blog immer noch nicht "greifen" kann, sie ist mir immer noch fremd. Schade!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Wunderbare Gedanken... vielen lieben Dank dafür!!

    Ich kann mich Frauke nur anschließen... auch du bist "ganz bei dir" - authentisch... wäre es nicht so - wäre ich weg... diese "glattgebügelten" ("perfekten") Blogs... das ist nichts für mich... ich mag es, wenn man ein bisschen den Menschen dahinter kennenlernt... aber es ist doch klar, dass nicht alles öffentlich gemacht wird... und vielleicht kann ich dir das mit dem "für mich" ja ein bisschen näher bringen, wenn du meine paar Zeilen dazu gelesen hast ;-) - fühl dich gedrückt! Danke, dass ich dich immer ein bisschen besser kennen lernen darf!

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    1. Dankeschön!!!

      Du hast auch was dazu geschrieben? Super! Hoffe, ich komme spätestens morgen dazu, Deine Gedanken zu lesen. Freu mich drauf!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  6. Hallo Nicole,
    Deinen Post finde ich super. Ich bin über die "Schreibzeit" bei Dir gelandet und kann Dir nur zustimmen. Ich schreibe auch "für mich", denn mein Alltag mit zwei kleinen Kindern ist stressig, ich erledige vieles schon, bevor die Große in den Kindergarten geht. Das Schreiben hilft mir dabei, nicht wieder in ein tiefes Loch zu fallen, wie es vor drei Jahren der Fall war. Aber gerade weil ich jeden Tag an alles denken muss, möchte ich in meinem Blog einfach so sein, wie es mir gerade in den Sinn kommt. Eben nicht über jede Formulierung nachdenken, nichts Neues erfinden (bin kein DIYer), mir keine hochwissenschaftlichen Gedanken machen... Natürlich bewundere ich andere Blogs und schaue auch ein bisschen neidisch auf diejenigen, deren Leben einfach perfekt erscheint, die sich Zeit nehmen können, die ihren Hobbies frönen und und und. Aber das bin nicht ich. Und das ist gut so.
    Danke für Deinen Post! Ich finde ihn großartig und komme bestimmt komme ich öfter vorbei!
    Liebe Grüße
    Michi

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    1. Liebe Michi,

      herzlichen Dank für Deine lieben Worte; sie bedeuten mir viel. Es ist schön und tut richtig gut, immer wieder "Gleichgesinnte" kennenzulernen. Und freu mich, dass Dir StreifenLiebe gefällt und Du nun öfter zu Besuch kommst. ;-)

      Für mich ist das Schreiben auch ein wunderbarer Ausgleich zum Alltag und es bereichert ihn gleichzeitig. Eine Win-Win-Situation. ;-) Mein Leben ist auch nicht super aufregend, voller Abenteuer oder gar perfekt, aber es ist mein Leben und ich liebe es so. Und wenn dieses Gefühl auf' einem Blog "rüberkommt", dann ist das super, eigene eigene Art von Perfektion. Und mal ehrlich: Welcher Blogger lebt schon in einer echten perfekten Welt?!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  7. Ich unterschreibe hier gerne Fraukes Satz "Du kommst mir hier immer sehr authentisch vor und das mag ich sehr! Es gibt andere Blogs, wo ich mich beim reinlesen frage, wer wohl die Person dahinter sein mag. So verstellt oder so unterschiedlich und nicht klarlinig sind die Texte. "
    Authentizität finde ich auch wirklich sehr wichtig und ist für mich auch ein ganz wichtiger Faktor ob ich einen Blog weiterhin lese oder nicht. Da brauchst Du Dir so gar keine Sorgen drum machen. Man merkt, dass Dein Herzblut in Deinen Texten steckt.
    Augenscheinlich perfekte Bloggerwelten gibt es genug, aber die lese ich nicht, oder vielmehr nicht mehr. Liebe Grüße, Nina

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