18. Dezember 2014

Life Lately


Im Moment genieße ich die besinnliche Vorweihnachtszeit. Ich nehme mir so oft es möglich ist, kleine Auszeiten und stimme mich mehr und mehr auf das bevorstehende Weihnachtsfest ein. Hektik, Stress und Aufregung versuche ich momentan zu vermeiden (soweit das geht) und das Leben einfach etwas langsamer angehen zu lassen.

Nichtsdestotrotz ist in den letzten Tagen wieder so einiges passiert...

Bin ich ein psychologisches Phänomen?


Als Teenie habe ich total gerne diese Persönlichkeitstests in Frauenmagazinen gemacht. (Ich frage mich gerade: Gibt es solche Tests auch in Männermagazinen? Irgendwie bezweifle ich das.) Keine Ahnung, warum - vielleicht, weil ich in der Pubertät auf der Suche nach sinnstiftenden Antworten war. Die Pubertät ist schließlich eine schwierige Zeit, in der man selbst diese Antworten nicht hat bzw. in der man noch auf der Suche nach der eigenen Identität ist - da versprechen solche Test die benötigten Antworten auf die Frage, wer man eigentlich selbst ist. Zumindest scheint mir das heute als Erwachsene eine gute Erklärung. 
Nicht, dass ich irgendwann wirklich befriedigende Antworten auf meine jugendlichen Fragen bekommen hätte, aber aus irgendeinem Grund habe ich irgendwann mit diesen Tests aufgehört. Vielleicht haben mich diese Test auch einfach nur genervt, weil sie nicht die versprochenen Antworten liefern konnten.
Vielleicht lag es aber auch an dem beinahe traumatischen Erlebnis "Projektwoche" in der Schule. Unser alter, leicht diktatorisch-angehauchter Rektor ging in Pension und die neue Rektorin, eine sehr esotorisch angehauchte Frau, die scheinbar die 68er-Bewegung aktiv miterlebt hatte und den Frei-Geist scheinbar immer noch lebte, organisierte zu ihrem Einstand eine Projektwoche.
Ich weiß noch, dass ich mich total freute, eine Woche lang keine langweiligen Chemieformel oder Mathegleichungen lösen zu müssen. Gleichzeitig war ich allerdings von dem Kursangebot enttäuscht: Kochkurse, Töpferkurse, Batikkurse, Bastell- und Nähkurse, ein marxistischer (!) Lesekreis und ein "Selbsterfahrungskurs". Innerlich verhandelte ich schon mit meinem Vater über eine Freistellung für diese Woche, allerdings überzeugte mich meine damalige beste Freundin, dass der "Selbsterfahrungskurs" doch bestimmt einen riesengroßen Spaß machen würde. Dass sie im Grunde nur teilnehmen wollte, weil ihr damaliger Schwarm keinen Platz mehr in einem anderen Kurs bekommen hatte und deswegen in den Selbsterfahrungskurs musste, wurde mir erst später klar. (Nebenbei bemerkt: Meine beste Freundin kam mit ihrem Schwarm zusammen, allerdings hielt das gerade mal 3 Wochen, weil er sie betrog. Was folgte, waren sechs Monate Drama. Ich habe die Sommerferien nie mehr ersehnt, als in diesem Schuljahr.)

Der Titel des Kurses war Programm: Selbsterfahrung in nahezu jeder nur möglichen Form. Körpererfahrungsübungen (aus heutiger Sicht betrachtet, würde ich sagen, das war so etwas wie Yoga, nur in einer merkwürdigen Form), gemeinsames im Kreis sitzen und singen (!), Vertrauensübungen und Psychotests. Aber nicht, wie man jetzt vielleicht meinen könnte, irgendwelche psychologisch-pädagogisch-fundierten Tests. Nein! Wir bekamen schlecht kopierte Psychotests aus der Brigitte. Ja, Ihr lest richtig: Brigitte, die Frauenzeitschrift.
Wir saßen am ersten Tag im Kreis, machten diese Tests und mussten die Auswertungen mit Frau Rektor (die den Kurs höchstpersönlich leitete) besprechen. Es war - und das meine ich so - die Hölle. Und hätte ich in diesem Kurs nicht den besten Freund des Schwarms meiner Freundin kennengelernt, wäre ich wahrscheinlich verrückt geworden - oder hätte doch noch mit meinem Vater über die Freistellung gesprochen. Allerdings hatten Stefan (so hieß der beste Freund) und ich am zweiten Tag beschlossen, dass wir die Übungen fortan gemeinsam und auf unsere Art und Weise machen, sodass wir eine Menge Spaß in der Woche hatten. Und unsere beiden Eltern hatten nach der Woche eine Einladung von Frau Rektor zu einem disziplinarischen Gespräch im Briefkasten. Scheinbar hatten wir in ihren Augen etwas zu viel Spaß während der Projektwoche.

Wie dem auch immer sei: Ich habe diese skurrilen Tests in Magazinen jahrelang nicht mehr beachtet - bis zu dieser Woche. Da hatte ich wieder ein solches Magazin in den Händen und dachte mir - nein, ich weiß gar nicht, was ich dachte, ich habe den Test einfach gemacht. Leider! Denn eines hat sich seit meiner Jugend nicht geändert: Am Ende eines Tests gibt es keine befriedigende oder gar sinnstiftende Antwort. Im Gegenteil. Ich bin danach verwirrt und frage mich ernsthaft: Bin ich ein psychologisches Phänomen?
Warum ich mich das frage? Ganz einfach: Ich bin nie nur eine Antwort oder anders ausgedrückt, nie nur ein Typ. Es fängt ja schon bei den merkwürdigen Fragen an, die ich eigentlich nie so richtig beantworten kann: Entweder kenne ich die Situation nicht, die geschildert wird, oder die Antworten, die man auswählen kann, treffen so gar nicht auf mich zu. Statt klugerweise den Test wegzulegen, entscheide ich mich (warum auch immer) für den kleinsten gemeinsamen Nenner, also die Antwort, die vielleicht in einem Paralleluniversum auf mich zutreffen könnte. Und am Ende kommt es nahezu immer zu einer unmöglichen Situation: Ich habe mind. in zwei Fällen die gleiche Punktzahl, entspreche also schon mind. zwei Typen, die sich meistens auch noch drastisch voneinander unterscheiden - oder ich entspreche bei den Tests, in denen mehrere Typen möglich sind, meistens fast allen. Das ist doch nicht normal, oder?!

Also sind wir wieder bei der Frage: Bin ich ein psychologisches Phänomen? Oder besitze ich eine multiple Persönlichkeit? Wenn ja: Ist das besorgniserregend oder kann ich mich freuen, weil das bedeutet, dass ich nie wieder alleine bin? Oder ist es einfach so, dass ich nicht in das vorgefertigte Schema dieser Tests passe? Dass ich nicht der Idealleser bin, den man bei solchen Tests zugrunde legt?

Ich habe keine Antworten darauf. Allerdings weiß ich jetzt wieder, warum ich solche Tests auch in Zukunft wieder gekonnt ignorieren werde. 

Oh, wie schön! Schatz, guck' nochmal!

Ich freue mich jedes Jahr auf die Weihnachtspost: sie zu schreiben und sie zu bekommen. Und dieses Jahr ist etwas Besonderes, denn dieses Jahr gab es auch erstmals herrliche Weihnachtspost von lieben Bloggerfreunden. Ich habe mich so über all' die liebevolle Post gefreut und bin immer noch ganz gerührt. An dieser Stelle noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an alle!
Den lieben langen Tag habe ich ständig Oh, wie schön! Schatz, guck nochmal! gesagt, natürlich verbunden mit dem obligatorischen mehrfachen Herumwedeln der Karten vor der Nase meines Helden. Nebenbei bemerkt: War der Held nicht da, habe ich einfach den kleinen Pelzigen voller Stolz die Karten wieder und wieder präsentiert. Und auch sie fanden sie ganz toll, was sich darin äußerte, dass sie sie essen wollten. Aber keine Sorge: Ich habe die Karten mit meinem Leben beschützt. Und glaubt mir: Das ist äußerst schwierig, denn wenn die Kleinen Papier sehen, dann werden sie zu Raubtieren.

Ich werd' verrückt!

Ich nehme nur ausgesprochen selten an Gewinnspielen teil. Und das aus einem einfachen Grund: Ich gehe davon aus, dass ich nicht gewinnen werde. Aber hin und wieder versuche ich doch mein Glück. So war es auch vor zwei Wochen: Da hat die wunderbare Julia auf ihrem Blog My home is my horst dieses Buch verlost.
Ich habe mich schon immer für die Frage nach dem Sinn des Lebens interessiert. Bereits vor, während und nach meinem Studium habe ich mich selbst auf die Suche danach begeben, aber kein großer Denker konnte mir diese Frage befriedigend beantworten. Da dachte ich mir, dass vielleicht Dr. Christoph Quarch eine Antwort für mich hätte. Also habe ich an dem Gewinnspiel teilgenommen. Und was soll ich sagen: Ich habe tatsächlich gewonnen und am Wochenende kam mein Gewinn samt persönlicher Widmung des Autors an. Große Freude!

Das Buch ist eine Neuausgabe des Erfolgstitels Und Nietzsche lachte (herrlicher Titel, oder?) und mit dem Kauf des Buches kann man auch noch etwas Gutes tun. Denn: Wird bis Weihnachten die Startauflage verkauft, so spendet der Autor sein Autorenhonorar der Peter-Hesse-Stiftung.

Auch wenn ich meinen persönlichen Sinn des Lebens im Laufe der letzten Jahre (mehr oder weniger) gefunden habe (aber das ist eine andere Geschichte...), so bin ich doch gespannt auf eine "zweite Meinung" und vorallem darauf, wie Dr. Quarch die großen Denker interpretiert, die auch ich zuvor bereits ergebnislos "befragt" habe. Ich werde im neuen Jahr davon berichten.




Kommentare so far

  1. Liebe Nicole,

    ich glaube, diesen Zeitschriftentests entspricht niemand so richtig. Wie du schon sagst, die Fragen sind absurd, die Antworten sind alle nicht so richtig passend, ... Und so ähnelt es am Ende einem Horoskop, das irgendwie auf jeden und niemanden so richtig passt. ;-)

    Liebe Grüße
    Nele

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hach Nele, da bin ich ja froh, dass Du das schreibst. Ich kenne nämlich viele, bei denen immer eine Antwort herauskommt und dann auch zutrifft. Da hab' ich mich schon gefragt...

      Horoskope lese ich nicht, denn der Interpretationsspielraum ist mir hier eindeutig zu hoch. ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

      Löschen
  2. Ohhh das mit den Tests kenn ich.. :D Ich hab früher auch oft diese Tests gemacht (manchmal auch heute noch) und danach denk ich mir immer "Hm.. iwie.. passt das doch alles nicht?!" :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Echt, Dir gehts auch so? Das ist wirklich beruhigend! Ich bin wohl doch ganz normal. Puuuh! ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

      Löschen
  3. Ich würde das einfach mal positiv sehen: du passt halt (innerlich) in keine Schublade... von daher: eigentlich doch perfekt!! Witzigerweise habe ich die früher auch immer gemacht... aber in den Ergebnissen habe ich mich auch selten wieder gesehen... interessanter Beitrag... danke dafür!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh, das ist wirklich eine schöne und positive Sichtweise. Danke für diese "Erklärung". ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

      Löschen
  4. Ach liebe Nicole! Als ich im Sommer das letzte Mal so einen Test machte, das war mit meiner längsten und relativ engsten Freundin. Während der Fragen und den Antworten wurde uns immer mehr klar, wie wenig wir von einander wissen und wie verschieden wir sind. Am Ende, nach der Auflösung der Ergebnisse, haben wir gekonnt und leicht sprachlos das Heft beiseite gelegt und erst Wochen später wieder darüber geredet. Und gelacht :-) Warum machen wir Frauen nur solche bescheuerten Tests? Furchtbar! Und ich glaub nicht, dass es solche Tests auch in Männermagazinen gibt...
    Liebe Grüße,
    Frauke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht liegt es in unseren weiblichen Genen? ;-)

      Ich glaube, Männer "brauchen" und machen solche Tests nicht, ihnen fehlt wahrscheinlich dieses "Gen". ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

      Löschen
  5. Früher habe ich solche Tests auch mal gemacht, aber das ist mittlerweile alles nonsens in meinen Augen.Trotzdem schaut man ja doch immer wieder hin gell? Liebe Grüße, Nina

    AntwortenLöschen