31. Oktober 2014

Haunted #3 {Halloween Special}


Pünktlich zu Halloween meldet sich Haunted zurück! Und das gleich mal mit einem Special: Diesmal stelle ich Euch nicht ein Haus, sondern gleich ein ganzes Dorf vor, das den zweifelhaften Ruf genießt, Englands Most Haunted Village zu sein.


illinc

Pluckley ist ein kleiner Ort in der malerischen Grafschaft Kent. Er ist berühmt für seine unzähligen Geistererscheinungen an diversen Orten im Dorf: Pubs, Straßen, Wald, Wohnhäuser und natürlich in der Dorfkirche (in Kirchen spukt es sich ja bekanntlich besonders gut).

St. Nicholas Church
Einen Großteil der Erscheinungen führ(t)en die Dorfbewohner auf die Familie Dering zurück, die über Jahrhunderte das alte Gut im Dorf bewohnte. Insbesondere der Spuk in der Dorfkirche St. Nicholas wird mit der Familie in Verbindung gebracht: So kann man in der Dering-Kapelle (hier liegen viele Mitglieder der Familie begraben) des Öfteren ein dumpfes Klopfen aus den dunklen Grabgewölben vernehmen und merkwürdige tanzende Lichter in der Nacht beobachten.

Aber nicht nur in der Dering-Kapelle spukt es, auch der Kirch- und der nahegelegene Friedhof sind betroffen. Dorfbewohner und Besucher berichten immer wieder von den Geistern zweier Frauen (die angeblich der Dering-Familie angehören sollen): die weiße und die rote Frau.

Die weiße Frau, so erzählt man sich, sei so schön gewesen, dass ihr Mann sie nach ihrem Tod in einem weißen Kleid von unschätzbarem Wert und mit einer Rose in der Hand in einen luftdichten Bleisarg begrub, wobei der Bleisarg wiederum in einen Eichenholzsarg gelegt wurde. Der Ehemann ließ die Särge dann in einer ungewöhnlich tiefen Gruft begraben, in der Hoffnung, dass die Schönheit seiner Frau auch nach dem Tod noch erhalten bliebe.
Die Legende besagt, dass die Frau kurz nach ihrer Beerdigung an einem nebeligen Herbstmorgen aus ihrem Grab ausgebrochen und verwirrt über den Kirchhof gewandelt sei - dabei trug sie das weiße Kleid und hielt in der Hand die rote Rose. Seit diesem Tag, so heißt es, kann man die weiße Frau an nebeligen Herbsttagen immer wieder auf dem Kirchhof sehen.

Das Schicksal der roten Frau ist um einiges tragischer: Sie bekam ein uneheliches Kind, das bei der Geburt verstorben und dann in einem namenlosen Grab begraben worden sein soll. Die Frau, die kurze Zeit nach dem Kind unter seltsamen Umständen starb, wandert seither immer wieder nachts auf dem Friedhof umher und sucht ihr verlorenes Kind.


In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wollten Parapsychologen den Spuk in St. Nicholas "erforschen" und schlossen sich mit allerlei technischen Gerätschaften eine Nacht lang (mit Erlaubnis des damaligen Dorfpfarrers) in der Kirche ein. Als der Pfarrer morgens wieder die Kirchentüren aufschloss, beschwerten sich die Parapsychologen, dass nichts passiert sei; einzig der alte Hund des Pfarrers hätte sie ab und an besucht und somit die Zeit erträglicher gemacht. Der Pfarrer zeigte sich erstaunt über die Aussage der Forscher und erwiderte nur, dass er gar keinen Hund besitzen würde.

Black Horse
Aber nicht nur die Dorfkirche wird von Geistern heimgesucht. Auch im alten Gasthof, dem Black Horse, der bereits im 14. Jahrhundert erbaut wurde, spukt es gewaltig - und zwar in der Form eines Poltergeistes, der mit großer Freude allerlei Gegenstände von Angestellten und Besuchern verschwinden lässt und Geschirr sowie Besteck aus den Regalen wirft, nur um sie dann an einem anderen Ort wieder geordnet aufzustellen.

In der Nähe des Black Horse verläuft die Station Road auf der sich ein großes weißes Haus mit dem Namen Greystones und ein kleines Haus namens Rose Court befinden. Der Legende nach wohnte im 16. Jahrhundert ein Mönch in Greystones. Er und seine Nachbarin, die in Rose Court lebte und die Geliebte eines Mitglieds der Familie Dering war, verliebten sich unsterblich ineinander. Doch schon nach kurzer Zeit ertrug die Nachbarin die Ménage-à-trois nicht mehr und beginn aus Verzweiflung Selbstmord. Der Mönch ertrug den Kummer kaum und starb kurze Zeit später - scheinbar an gebrochenem Herzen.  
Dorfbewohner vermeiden es, nachts in die Nähe der beiden Gebäude zu gehen - aus Furcht vor den unerträglichen, flehenden und immer lauter werdenden Geisterstimmen der beiden Liebenden.

Auch der am Dorfrand liegende Wald (Screaming Wood genannt) wird von Dorfbewohnern und Besuchern nach Möglichkeit gemieden, denn aus dem Wald dringen nachts unheimliche, markdurchdringende Schreie, die jeden in Angst und Schrecken versetzen. Niemand weiß, wer oder was da schreit - sicher ist nur, dass selbst die tierischen Waldbewohner vor diesen Schreien flüchten.

In der Nähe des Waldes befindet sich der "Fright Corner" (früher Frith Corner). Hier stand noch bis vor ein paar Jahren ein schwerer Eichenbaum, an welchem ein Mann einst in einer Winternacht von Räubern überfallen und danach am Baum aufgespießt wurde. Immer wieder im Winter, so heißt es, kann man nachts seine Schreie hören und den blutigen Geist des Mannes erblicken.

Elvey Farm

Etwas weiter außerhalb des Dorfes liegt die Elvey Farm, die im 15. Jahrhundert zunächst als Scheune, später dann im 16. Jahrhundert als Bauernhaus diente. Zu dieser Zeit sahen Menschen hier des Öfteren einen blonden, bärtigen Mann, der um das Bauernhaus schlich und sich plötzlich in Luft auflöste. Der Mann, so heißt es, soll der erste Besitzer des Hauses gewesen sein, der kurz nachdem seine Frau unter mysteriösen Umständen starb, Selbstmord begangen haben soll.
Diverse Bewohner des Hauses berichteten, dass sich nachts Türen ganz von selbst öffneten, Lichter plötzlich auftauchten und wieder verschwanden und in den Fluren oder leeren Zimmern gespenstische Schritte zu hören waren.


Das war nur eine kleine Auswahl an unerklärlichen Phänomenen in Pluckley. Es gibt noch viele weitere gespenstische Orte in Pluckley, an denen unerklärliche Dinge geschehen und die dem kleinen Dorf wohl zu Recht den Titel einbrachten, Englands Most Haunted Village zu sein.



 


Bildnachweise: St. Nicholas Church by Julian P. Guffogg - Bild wurde verändert. Black Horse by Bob Donkin - Bild wurde verändert. Elvey Farm by Jonathan Day - Bild wurde verändert.



Kommentare so far

  1. Gott, ich bekam beim Lesen direkt Gänsehaut. Was für ein genialer Artikel. Ich liebe solche urbanen Legenden! <3

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    1. Dankeschön! ♥

      Ich liebe diese Geschichten auch - und bin froh, hier auf Streifenliebe einen Ort zu haben, um sie zu sammeln.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Endlich wieder ein Post in der Rubrik Haunted! Das Dorf ist ja der Horror. Die Bilder sind übrigens wieder toll. Der schwarz-weiß-Kontrast sorgt für die richtige Atmosphäre.

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    1. Ja, ein schreckliches Dorf, oder?! Aber dennoch würde ich so gerne mal dahin. ;-)

      Wusste ich doch, dass Du Dich über den Post freust. :-) Und sooo eine lange Pause wird nicht mehr vorkommen!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Ohhh ich liebe diese gruseligen, unheimlichen Geschichten.. so wunderbar übernatürlich..
    Oben bei uns im Norden in Flensburg steht auch so ein sagenumwobenes Gebäude - die Klinik Ost.. aus unerklärlichen Gründen geschlossen, dann verschiedene Dinge, die dort untergebracht wurden, aber bald darauf wieder umzogen, da es zu seltsamen Vorkommnissen kamen - man könnte bestimmt verschiedene, natürliche Gründe dafür finden, aber.. nein.. ein bisschen gruseln im Alltag muss schon drin sein :D :)

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    1. Wir haben leider keine "Haunted Houses" hier bei uns. Obwohl vielleicht besser für mich.;-)

      Ein bisschen gruseln muss sein, sonst wäre es doch langweilig. ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. Sehr schön Nicole! Und es passt so schön!

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