2. September 2014

Fernweh - kenn' ich nicht, aber... {Short Stories #9}


Das Short Stories-Thema des Monats Andrea und Bine: Fernweh. Eigentlich ein Grund auszusetzen, denn: Fernweh kenn ich nicht. Kannte ich noch nie. "In Urlaub" fahre ich nicht, es reizt mich nicht. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.

Ich war zwar schon in anderen Ländern (teilweise sogar sehr lange, mehr als ein Urlaub also), aber am liebsten bin ich in meiner Heimat: Aachen. Hier lebe ich, hier fühle ich mich pudelwohl, hier habe ich (zum ersten Mal in meinem Leben) wirklich das Gefühl, zuhause zu sein, eine echte Heimat zu haben.
Als ich über die Themen "Fernweh" und "Heimat" nachdachte, fragte ich mich: Wenn ich schon nicht in Urlaub fahre, könnte ich mir vielleicht vorstellen, woanders zu leben? Ich - diejenige, die Fernweh nicht kennt? Könnte ich einen anderen, weit entfernten Ort "Zuhause" oder gar "Heimat" nennen? 


Und auch wenn ich mich hier in meiner wunderschönen kleinen Großstadt geborgen und zuhause fühle, so liegt dies doch vor allem an meiner kleinen Famile (mein Mann und meine kleinen Pelzigen). Wo sie sind, da ist mein Zuhause. Ergo: Könnte ich auch mal darüber nachdenken, ganz woanders zu leben. Könnte ich das, ganz woanders leben? Und wenn ja, wo würde ich leben wollen?

Ob ich das könnte? Hm, die Frage habe ich für mich noch nicht geklärt, aber muss ich momentan ja auch nicht. Aber wo ich leben möchte, das weiß. Es gibt nämlich nur wenige, um genau zu sein drei Orte, bei deren Anblick ich schon das Gefühl von Heimat bekomme, obwohl ich noch nie da war. (Ist Fantasie nicht etwas Wunderbares?!)

Einen dieser Orte möchte ich Euch heute vorstellen:


Nova Scotia ist eine wunderschöne kanadische Provinz an der Atlantikküste. Im Grunde besteht Nova Scotia aus einer Halbinsel und der Kap-Breton-Insel nordöstlich des Festlandes, die Hauptstadt ist Halifax. Ja, da könnte ich mir vorstellen, zu leben; nicht zuletzt, weil ich die kanadische Art (Grundlos glücklich sein) so mag.


Berühmt ist Nova Scotia vor allem wegen der vielen kleinen malerischen Buchten und Fischerorte. Und an so einem Ort wollte ich schon immer leben. Das Meer direkt vor der Haustüre, Fischerboote soweit man sieht und kleine Stege, an denen würde ich dann sitzen, meine Füße ins Wasser baumeln lassen und die Fischerboote stundenlang beobachten - und einfach nur glücklich sein. 


Abends würde ich mich dann auf meinem Nachhauseweg am Strand entlang von dem wunderbaren Tag verabschieden und den herrlichen Sonnenuntergang bewundern - und einfach nur glücklich sein. 


An den Wochenenden würde ich in den wunderschönen Nationalparks (Cape-Breton-Highlands-Nationalpark im Norden und der Kejimkujik-Nationalpark im Süden) wandern gehen und die wunderschöne, ursprüngliche und teils rauhe Natur genießen - und einfach nur glücklich sein.


Allerdings müsste ich ständig ein GPS-Gerät und ein Satellitentelefon mitnehmen, da ich mich grundsätzlich dank meines sagenhaft schlechten Orientierungssinnes verirre (nicht nur in der Natur, auch in Baumärkten passiert mir das).
Komischerweise ist mein Orientierungssinn nur so schlecht, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Fahre ich mit dem Auto, kann ich mir alles recht schnell merken und finde auch immer wieder nach Hause. Ich habe mich sogar schon mal gefragt, ob statt des zu Fußgehens das Autofahren in meiner DNS verankert ist. Und daran anschließend frage ich mich: Ist das vielleicht die nächste Stufe der Evolution?


Wie gesagt, gehe ich zu Fuß, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich mich verlaufe. So habe ich mich beispielsweise mal in unserem Öcher Bösch (so nennen wir unseren Wald) verlaufen, der im Gegensatz zu anderen Wäldern winzig (gerade mal 2.357 ha) ist und im Grunde nur aus zwei Wegen besteht: ein Weg rein, ein Weg raus.
Ich habe jedoch die falsche Abzweigung genommen (obwohl ich auf dem markierten Weg geblieben bin - sehr merkwürdig) und mich prompt verirrt. Leicht panisch bin ich damals in meinem Kopf alle möglichen Überlebenstechniken aus den diversen Survial-Sendungen durchgegangen (darüber habe ich hier bereits etwas geschrieben), erinnerte mich an die drei Grundregeln (Trinkwasser, Feuer machen und sicherer Unterschlupf) und war heilfroh, ein Feuerzeug dabei zu haben, damit ich nachts nicht erfriere, wenn ich in meinem selbstgebauten Unterschlupf sitze; für Trinkwasser war ja gesorgt, schließlich war Winter.


Bevor ich dort allerdings (m)ein karges Dasein fristen musste, fuhr ein mit Holz beladener LKW vorbei und ich bin einfach hinterher gegangen (er fuhr Schritttempo) und so nahm mein Abenteuer ein glimpfliches Ende. Aber aus der Erfahrung heraus weiß ich nun: Es ist immer besser, auf "Nummer Sicher" zu gehen, also: GPS-Gerät und Satellitentelefon (hat im Gegensatz zu Handys ja nahezu überall Empfang - auch noch im Magen eines Dinosauriers, wie ich bei Jurassic Park III gelernt habe).


Aber zurück zu Nova Scotia: Wo ich dort leben möchte, das weiß ich auch schon ganz genau. Nämlich hier:


In einem kleinen weißen und abgelegenen Haus direkt am Wasser, mit einer Veranda, die ums ganze Haus führt. Auf der würde ich dann morgens meinen Kaffee genießen - und einfach nur glücklich sein.
Ein kleines Haus, das aber genügend Platz für meinen Mann, unsere kleinen Pelzigen und die beiden Hunde (Rottweiler nebenbei bemerkt) bietet. Ich kenne sogar schon die Namen der Hunde (die wir ja noch nicht haben). Allerdings findet mein Mann die Namen aus einem mir unerklärlichen Grund gar nicht gut, aber ich gebe nicht auf und rede mir ein: wir verhandeln noch. Außerdem: Sind die beiden Schönheiten erstmal Teil unserer Familie, dann wird sich mein Mann mit den Namen schon anfreunden. Davon bin ich fest überzeugt.


Jaaa, ich kann mir wirklich gut vorstellen, in Nova Scotia zu leben - und verstehe so langsam, woher die kanadische Art eigentlich kommt. In Nova Scotia könnte ich mein Herz verlieren. Dort könnte unsere Heimat sein. Und weil mich bei den Gedanken an Nova Scotia dann doch irgendwie ein wenig Fernweh packt, passt der Post dann doch irgendwie zum Short Stories-Thema des Monats: Fernweh.





PS: Den Post hat mir so viel Spaß gemacht, vielleicht stelle ich Euch die anderen beiden Orte auch noch vor. Was haltet Ihr davon?


Ich bin neugierig: Wo würdet Ihr gerne leben, wenn Ihr könntet? 






Alle Bilder unterliegen der Creative Commons Licence. Bildnachweise (von oben nach unten): Bild 1 & 9: Brian: Halifax, Nova Scotia, Canada. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.de Bild 2: Dennis Jarvis: DGJ_3953 - Welcome to Nova Scotia. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.de  Bild 3: Dennis Jarvis: DSC00968 - Nova Scotia Scene. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.de  Bild 4: Dennis Jarvis: DSC02720 - Nova Scotia ColoursSome rights reserved. Quelle: www.flickr.de Bild 5: Shawn Kent: West Dover, Nova Scotia. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.de Bild 6: StickmannUK: Kejimkujik River. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.de  Bild 7: Jacob Earl: Kejimkujik National Park, NS. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.de  Bild 8: Chris M. Morris: Cabot Trail. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.de

Kommentare so far

  1. Du Liebe!
    Du bist der zweite Mensch, ohne Fernweh, von dem ich das höre. Mehr kenne ich von der "Sorte" Mensch wirklich nicht ;-)
    Aber wie wunderschön der Ort ist und wie traumhaft du dein erträumtes Leben schilderst. Die Hunde wären bestimmt wundervoll!
    Und umso gespannter wäre ich auf die 2 anderen Orte!
    In freudiger Erwartung und mit lieben Grüßen,
    Frauke

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    1. Liebe Frauke,

      mein Mann mag "in Urlaub fahren" auch nicht (was gut ist, sonst hätten wir ein "Problem" oder er müsste halt alleine fahren) - also "kennst" Du jetzt quasi schon drei Menschen. ;-)

      Aber ich glaube, Menschen wie wir (die "Freiwillig-nicht-in-Urlaub-Fahrer") sind in der Tat sehr selten.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Die beiden anderen Orte würde ich auch gerne sehen.
    Jemand ohne Fernweh, das ist eher ungewöhnlich. Obwohl ich gerne zuhause bin - geradezu ein Stubenhocker bin - und meine Heimat sehr mag, bin ich doch ein Reisefan. Es gibt nichts Schöneres, als sich auf eine Reise vorzubereiten und dann loszuziehen. Ich liebe Flughäfen, Bahnhöfe, Fährhäfen usw. Nicht umsonst arbeite ich in der Hotellerie. Transit-Orte sind faszinierend.
    Allerdings halte ich von "Woanders leben" als Traum nicht viel, denn sobald ich irgendwo permanent bin, hält der Alltag Einzug und das Leben ist kein Traum mehr. Der Traum hält sich nur auf Reisen . Aber natürlich gibt es einige Gegenden, wo es mir sehr gut gefällt und ich mir ein Leben dort vorstellen könnte.

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    1. Ja, ich bin irgendwie anders. Das sagt man mir ständig. ;-) Vielleicht liegt das mit dem fehlenden Fernweh daran, dass ich jetzt zum ersten Mal eine echte Heimat habe und deswegen nicht mehr weg mag. :-)

      Ich stimme Dir zu: Sobald man an seinem Traumort lebt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch dort der Alltag Einzug hält. Aber da ich nicht vorhabe (im Moment) auszuwandern, finde ich den Traum schön...

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. was für schöne Orte! Wenn ich nur nicht "nicht mehr fliegen" würde....hach
    Du bist echt die erste ohne Fernweh! Naja so richtig Fernweh kann man das bei mir nicht nennen oder? Wir fahren gerade mal mit Fähre 4 Std also ist es nicht fern..:0) Ich bin auch sehr gerne zuhause bei meinen Lieben.

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    1. Persönlich habe ich - außer meinem Mann - auch noch niemanden ohne Fernweh kennengelernt. Ist offensichtlich eher selten.

      Immerhin fahrt Ihr in Urlaub (auch wenn es nur vier Stunden mit der Fähre entfernt ist) - für mich ist das schon irgendwie Fernweh.

      Letztlich ist es doch vollkommen egal, wie weit ein Ort von zuhause entfernt ist. Malediven oder Norderney - die Hauptsache ist doch, dass der Ort nicht zuhause ist und dass man sich dort dennoch wohlfühlt. Das ist für mich Fernweh. Als ich Deine Urlaubsbilder sah, sagte ich zu meinem Mann: "Da ist es echt schön, da können wir doch auch mal hin." Also auch fast Fernweh... ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. WOW... ein Ort mehr für meine "Liste" - aber manchmal reicht es ja auch nur, davon zu träumen - wenn man mit dem "hier und jetzt" glücklich ist... Ich würde die anderen beiden Orte übrigens auch sehr gerne kennenlernen... witzig ist übrigens, dass der Sänger meiner schottischen Lieblings-Band (RUNRIG) aus Neu Schottland kommt... über die Gegend hatte ich mir aber bisher keine Gedanken gemacht... das sollte ich wohl ändern... vielen Dank fürs Zeigen... und Fernweh auslösen ;-)

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    1. Die Band kenne ich gar nicht, werde sie mir gleich mal anhören.

      Gern' gescheh'n! :-) Und die anderen beiden Orte folgen bald, ich freu mich nämlich auch schon drauf, noch etwas weiter träumen zu können... ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Schon reingehört?? "In Scandinavia" ist einer meiner Lieblingssongs... "Every River", "Loch Lommond" - hach.. es gibt sooo viele... ich "verfolge" diese Band nun schon über 20 Jahre... und sie selber haben im vergangenen Jahr 40-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert... unfassbar :-D

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    3. Leider noch nicht. Im Moment ist es hier ein wenig hektisch. Das Leben schlägt gerade eine mächtige Kurve, da muss ich versuchen, dagegen zu steuern und durchhalten...

      Sobald ich sie mir angehört habe, sag' ich Dir Bescheid. ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Ohhh.. ich bin froh, dass du mitgemacht hast.. Somit hab ich einen weiteren Blog gefunden, dem ich nun folgen werde. :) Hab auch schon durch einige Posts gestöbert und bin auf die Haunted-Geschichten gestossen - ich liebe ja solche Geschichten :D
    Aber auch diesen Post finde ich wunderbar - wenn ich dort leben könnte, wo ich möchte wäre es zum einen erst einmal Italien.. Ich liebe dieses Land, diese Sprache, das Essen.. einfach alles.. allerdings würde ich im Winter auch gerne iwo leben wo es warm ist, kein Schnee etc.. Karibik, Malediven oder sowas.. :D Was für große Traumschlösser ich nicht alles schon gebaut hab.. aber träumen darf man ja.. :)
    Liebe Grüße,
    Nadja

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    1. Liebe Nadja,

      vielen lieben Dank für Dein Kommentar. Ich freue mich riesig, dass Dir Streifenliebe gefällt. :-)

      Traumschlösser sind etwas wunderbares - und man kann nie genug davon bauen (und manche werden dann und wann auch mal wahr). ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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