22. August 2014

Mein 30 Tage Projekt - die dritte Woche


Schon wieder ist eine Woche rum, und mein Projekt neigt sich langsam seinem Ende zu. Was mich traurig macht, da ich es mittlerweile richtig lieb gewonnen hab'. Aber Stop: Noch ist es ja nicht vorbei, noch bin ich mitten drin. Was diese Woche so "los war", welche Erkenntnisse ich gewonnen habe... Seht und lest selbst...


1. Ja, ich will!


Freitag vor genau einem Jahr habe ich "Ja, ich will" gesagt. Und zwar mit voller Überzeugung und vollem Herzen. Es war ein wunderschöner, ach was sag' ich - es war ein perfekter Tag. Das Wetter war perfekt, die Zeremonie war perfekt (was meine beste Freundin und Trauzeugin nicht unterschreiben würde, da sie dem Standesbeamten am liebsten gegens Schienenbein getreten hätte, weil er gefühlte 1000mal betonte, dass wir nun endlich nach knapp 12 Jahren wilder Ehe den Bund fürs Leben eingehen; hätte er es noch ein weiteres Mal gesagt: Sie hätte es getan!), die Feier danach - einfach alles war perfekt. Es war genau so, wie wir es wollten: kein großes Brimbramborium, kein Dresscode für unsere Gäste und uns, keine "Tagesordnung", keine (so gar nicht witzigen) Hochzeitsspielchen, sondern alles ganz entspannt. Wir alle haben uns wohlgefühlt, sehr gut gegessen, uns toll unterhalten und einfach den Tag gemeinsam genossen. Herrlich!
Und abends, als mein Mann (ich sag das immer noch sooo gerne) und ich zuhause waren, schlüpften wir sofort in die Wohlfühlkleidung, "feierten" noch ein wenig mit den Kleinen (war ja auch für sie ein riesen Ereignis, schließlich konnten sie fortan sagen, dass ihre "Eltern" nun "anständige Leute" sind) und bestellten uns Pizza. Ja, Ihr lest richtig: Wir bestellten Pizza beim Lieferservice. Die haben wir dann, eingekuschelt auf der Couch, in vollen Zügen genossen, und - ganz nebenbei - eine neue Tradition eingeführt. Am Hochzeitstag gibts Pizza. Keine "schick essengehen", keine Geschenke, einfach nur wir, die Kleinen, Pizza und die Couch. Genau so haben wir es dann auch dieses Jahr gemacht - und es war herrlich!

2. Scheitern ist gar nicht so schlimm. 


Und kann dazu auch noch richtig witzig sein. Zumindest, wenn man das Buch Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag von Katrin Bauerfeind liest. Das Buch habe ich mir vor Monaten mal spontan in der Stadt gekauft, einfach nur weil mir der Titel und das Cover so gut gefiel. Die Autorin kannte ich nicht und habe es auch bisher noch nicht geschafft (weil auch mir ein Tag zwischen Sonntag und Montag fehlt), mir Videos von ihr (Moderatorin, Schauspielerin und eben auch Bestsellerautorin) anzusehen. Das steht auf jedem Fall auf meiner To-do-Liste. Allein schon, weil ich wirklich die Hoffnung habe, dass sie "in Echt" auch so witzig ist wie ihre Texte.
Was ich bisher sagen kann: Das Buch ist wirklich lesenswert (ich bin allerdings noch nicht ganz durch) und Frau Bauerfeind und ich haben einiges gemeinsam wie beispielsweise die Vorliebe (mein Mann nennt es Tick) für gerade Kanten. So beschreibt sie in ihrem Buch eine Begebenheit, die mir exakt so auch hätte passieren können:
"Ich habe es auch schon mit anderen in einem richtigen Yoga-Studio versucht, aber wie soll ich mich beim Yoga entspannen, wenn wenn die Trulla neben mir ihre Matte nicht richtig parallel zu meiner ausrichtet?! Ich habe eine leichte Macke mit geraden Kanten. Ich bin ein Fan von geraden Kanten. Ich scheitere oft an solchen Dingen."
Dazu kann ich nur sagen: Ich scheitere auch an solchen Dinge. Häufig. Eigentlich: zu häufig. (Das zu ändern, steht auch auf meiner To-do-Liste.)


3. Ich liebe die kleinen Dinge. 


Ja, ich liebe sie wirklich. Ich bin geradezu verrückt nach kleinen Dingen wie dieser Minivase mit Herbstblume. Die steht eigentlich auf der Box neben unserem TV - und ich erwische mich manches Mal dabei, wie ich sie anschaue und lächle, statt dem Film zu folgen, den wir gerade schauen. Ich find' sie wunderschön (beide!).

Was soll ich sagen: Ich habe eine große Schwäche für die kleinen Dinge; sie machen mich einfach glücklich. Zum Beispiel kleine Miniküchengeräten - Minimixer, Minizerkleinerer, Miniwaage - alles her damit, ich kann einfach nicht daran vorbeigehen, sie "kriegen" mich fast immer. Auch wenn ich die gleichen Geräte bereits "in groß" besitze, aber in klein sind sie doch vieeel schöner. Und liegen besser in meinen Händen, denn meine Hände sind auch klein.

Mein Mann würde jetzt denken, dass diese Argumentation Quatsch ist, weil meine Hände zwar wirklich klein sind, aber die kleinen Geräte a) viel zu teuer sind (gemessen an ihrer Größe und Funktion), b) nicht wirklich was taugen bzw. unpraktisch sind und c) viel zu schnell kaputt gehen (zu meinem Leidwesen hat er mit allem in der Regel recht). Aber weil er mich liebt, sagt er immer nur, wie toll diese kleinen Dinge sind und nimmt den Kauf wohlwollend hin - einfach nur, weil sie mich so glücklich machen. (Ich erwähnte schon, dass er der Beste ist, oder?)


4. Stille


Ich bin Städterin, gehe aber nicht gerne in die Stadt. Klingt komisch, ist aber so. Wir leben zwar offiziell dem Stadtplan nach in der Innenstadt, gefühlt ist es aber eher ein wenig außerhalb (was bei uns heißt, wir müssen nur ein paar Straßen weitergehen und sind mitten im Stadtzentrum). Versteht mich nicht falsch, ich liebe unsere Stadt, vor allem die Altstadt, den "historischen Kern". Die Stadt ist einfach wunderschön und auch sehr überschaubar (wird ja auch als "kleine" Großstadt geführt). Aber leider ist es mir einfach oft zu voll. Zu viele Menschen, die hektisch durcheinander wirbeln, sodass mir ganz schwindelig wird.

Wie Ihr seht: Ich könnte nie und nimmer freiwillig in einer wirklichen Großstadt leben. Ich bin wohl ein Kleinstadtei.

Genauso war es Montag. Da war ich in der Stadt und schon nach zehn Minuten war's mir zu viel. Zu viele Menschen, zu viel Hektik, zu viel Lärm. Ich hab' versucht, alles husch-husch zu erledigen, was aber eher kontraproduktiv war. Und plötzlich, in all' dem Trubel, war sie da: Stille.
Was passiert ist? Ich bin einfach nur in eine kleine Seitenstraße mitten im Stadtkern eingebogen und stand plötzlich vor dieser Kirchentüre. Die ist mir nicht neu, im Gegenteil: diese Kirche habe ich früher oft besucht, einfach nur, weil es in ihr so wunderschön ist (und dabei ist sie noch nicht einmal die schönste unserer vielen Kirchen) und weil es in ihr immer ruhiger war. Okay, in Kirchen ist es eigentlich immer ruhiger, aber wenn ich so an unsere typischen (ich nenn' sie jetzt frech einfach mal) Touri-Kirchen denke, in denen es immer vor Menschen wimmelt, dann ist diese Kirche wirklich ruhig.
Obwohl sie mitten in der Innenstadt liegt, verirrt sich fast niemand in sie. Ich glaub, sie wird einfach übersehen. Dabei ist sie gar nicht so klein, aber irgendwie scheinen die Menschen von ihr wenig Notiz zu nehmen. Woran das liegt, weiß ich auch nicht.

Jedenfalls stand ich da in der kleinen Seitenstraße und starrte das Tor an. Das letzte Mal, dass ich das Tor sah, ist schon länger her. Zu diesem Zeitpunkt war es vollkommen verhüllt, da man es restaurieren musste. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich so da stand, ich weiß nur, dass ich plötzlich den ganzen Trubel ausblenden konnte und einfach nur die (innere) Stille genoss.

Ein wirklich schöner Moment. Schade nur, dass man Stille nicht fotografisch einfangen kann. Aber vielleicht könnt' Ihr erahnen, was ich meine.


5. Mein Leben ist schön.


Das denke ich viel zu selten. Nicht, weil ich mein Leben nicht mag - ganz im Gegenteil: es ist schön. Sehr schön sogar. Aber leider werde ich mir dessen viel zu selten wirklich bewusst. Vor lauter unsinnigen Selbstzweifeln, Unsicherheiten und Grübeleien denke ich einfach nicht daran. Im meinem Kopf rattert oftmals nur die alte Leier vor sich hin: "das muss noch, das sollte noch, vergiß' dies nicht, kümmere dich darum, mach doch noch schnell das und das auch noch, wäre es nicht toll, wenn..." Ich stehe mir selbst im Weg. Und das möchte ich ändern; aus diesem Grund gibt es ja auch BUGfixing.

Aber manchmal sind sie da, diese kleinen Momente, in denen keiner dieser Gedanken (das muss, das sollte...) aufpoppt, sondern ich einfach denke: Mein Leben ist schön! Und so einen Moment hatte ich auch letzte Woche. Da saß ich auf meiner Couch, genoss einen Haselnusscappuccino aus meiner Herbsttasse (in welcher er auch gleich vieeel besser schmeckt - ja, Schatz, das ist wirklich so, das bilde ich mir nicht ein!), aß die ersten Herbstcookies (Rezept gibt's bald hier auf Streifenliebe) und war rundum zufrieden. Ich genoß den Moment, einfach mein Leben, so wie es gerade ist.


Kleiner Tipp: Souhela hat auf ihrem Blog Sousou Diysign einen wunderbaren Post zum Thema Grübeleien veröffentlicht, den ich Euch wärmstens empfehlen kann.


6.  Jetzt ist es offiziell. 


Es ist Herbst. Ja, vergesst den Wetterbericht oder dergleichen, glaubt mir: Es ist Herbst. Ich weiß das, denn ich trage meine bordeauxfarbenen Booties (auf die ich mich so gefreut habe, siehe hier). Und immer wenn ich sie trage, bedeutet das: Es ist Herbst. Ganz einfache Kausalkette (in meiner kleinen Welt).


7. Vermissen mag ich gar nicht!


Aachen - Den Haag: Entfernung 247,2 km, eine Fahrzeit mit dem Auto (bei guter Verkehrslage) von 2,26 Stunden. Das sind die Fakten. Die mich aber weder beeindrucken noch davon überzeugen, dass alles "halb so schlimm" ist, weil "ist doch nicht so weit weg". Pah! Aber Hallo ist das weit weg! Gefühlt befindet sie sich gerade in einer ganz anderen Galaxie, da helfen auch die modernen Kommunikationskanäle, die es einem ermöglichen, sich via Internet beim Reden zu sehen, gar nichts, wirklich, rein gar nichts.

Bleibt mir also nichts anders übrig, als wieder einmal festzustellen: Vermissen mag ich nicht. Ganz und gar nicht.










Kommentare so far

  1. Liebe Nicole, ich fürchte Du hast recht, denn ICH TRAGE SOCKEN! Ich hab mich jetzt 1 Woche lang gewehrt, aber eine Erkältung hat mir gezeigt LOS JETZT, sei nicht albern, der Sommer kommt ja doch nicht, also trage ich daheim schon Schlumpfsocken und mit nackten Füssen raus sieht schon fast albern aus im Moment. Es ist echt gemein, aber ja der Herbst ist schon im August da.
    Das Buch klingt gut, das schaue ich mir auch mal an! Danke für den Tipp!
    Ganz liebe Grüsse, Nina

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    1. Liebe Nina,

      an das wieder "Socken tragen" müssen, muss ich mich auch erst wieder gewöhnen. Bei aller Liebe zu meinen Booties, offene Schuhe sind schon toll. ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Liebe Nicole,

    ich glaube, Dein 30-Tage-Projekt hat Potenzial für ein 365-Tage-Projekt. ;-) Es macht Spaß, Deine Erkenntnisse des Tages zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Vera

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    1. Liebe Vera,

      herzlichen Dank für Dein Kompliment, das bedeutet mir viel. Und in der Tat: Ich habe auch schon ein wenig darüber nachgedacht, ob und wie ich das Projekt in Zukunft fortführen könnte. Mal schauen, was draus wird...

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Bei unserer Hochzeit waren wir in einem Gasthaus auf dem Land beim Essen, danach im garten bei Verwandten und zum Abendesse beim Italiener draußen, und da gab es - Pizza, :).
    Dein 30-Tage projekt muß nach 30 Tagen nicht zu Ende sein, wozu gibt es Project 365?

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    1. Das klingt nach einem wunderschönen Tag! So soll's ja schließlich auch sein, oder? Wer will sich schon an Ablaufpläne, Tischordnungen und Co. erinnern...? ;-)

      Gerade jetzt fehlt mir mein Projekt besonders, durch die blöde Erkältung komme ich im Moment nicht zum Fotografieren (aber schaffe es heute immerhin einmal die Kommentare zu lesen und zu beantworten). Aber ich habe ja vieeel Zeit zum Nachdenken - also auch darüber, ob und wie mein Projekt weitergehen könnte. :-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. Liebe Nicole,

    so ein schöner langer Post - den ich mir erst mal in Ruhe zu Gemüte führen musste. Toll. Ich bin immer noch ganz begeistert von Deinem schönen Projekt. Und den tollen Texten und Erkenntnissen dazu. Es wäre schade, wenn das Projekt nach vier Wochen enden würde. Vielleicht wäre ja eine wochenweise Fortführung eine alltagstaugliche Lösung? Liebe Grüße, Nina

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    1. Liebe Nina,

      ich freue mich riesig, dass Dir mein Projekt gefällt. Über die Zukunft des Projektes mache ich viele Gedanken, mal schauen, was draus wird. Aber eine Tendenz ist absehbar... ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Dein Projekt gefällt mir wirklich gut... aber ich weiß, dass ich das nicht 365 Tage durchhalten würde... Foto machen, Alltag festhalten - das klappt - aber zusätzlich die Erkenntnisse? Aber es macht riesig Spaß, dein Projekt (nach) zu verfolgen... Zu dem Buch: ich habe es mir ausgeliehen... fand den Titel mega-witzig (und es geht mir gerade nach einem Samstags-Dienst so, dass mir mal wieder ein Tag zwischen Sonntag und Montag fehlt... aber zum Glück habe ich heute Spätdienst, da geht das... zurück zum Buch: ich habe es nicht zu Ende gelesen - irgendwie war sie mir ZU bissig... vielleicht nicht meine Art von Humor? Die Geschichten an sich, die ich gelesen habe, fand ich klasse... aber der "Ton" ein bisschen zu scharf, zu "agressiv" - leider nicht so meins...

    Die Stille der Kirche habe ich gefühlt... aber vielleicht haben solche Türen immer so eine Wirkung auch mich??

    Und das Vermissen... ich kenne das.... meine Weltallerbeste wohnt noch weiter weg (328km sagt googlemaps) - das ist ätzend :-(

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    1. Ich bin mit dem Buch auch noch nicht ganz durch, was daran liegt, dass ich es streckenweise zu gewollt finde. Da muss ich dann eine Pause dazwischen einlegen, damit ich die Lust nicht verliere. Es ist echt schon bissig, was ich eigentlich sehr mag, aber an der ein oder anderen Stelle übertreibt die junge Dame dann doch sehr. Nennen wir es einfach mal: Literarische Freiheit.

      Mir geht das mit Kirchentüren auch immer so, allerdings nur bei wirklich alten Kirchen. Ist irgendwie so ein Gefühl von "Geschichte zum Anfassen". Bei neuen, modernen Kirchen habe ich das nicht. Aber davon haben wir hier in unserer Kaiserstadt nicht so viele.

      Uhhh, nochmal 100 km drauf. Oweia. Vermissen ist echt ätzend - das gehört verboten! ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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  6. Hmm... ja... das mit dem "gewollt" trifft es ganz gut... gegen "bissig" habe ich nämlich normalerweise auch nichts...

    Ja.... vermissen ist voll dämlich... und wir sehen uns erst im Oktober wieder *seufz*

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    1. Wie gut, dass wir schon Mitte September haben... Viel Spaß bei Eurem Wiedersehen...

      Liebe Grüße
      Nicole

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  7. Liebe Nicole,

    Bitte erlaube mir auch zu diesem Post noch einen kleinen Kommentar: Das Bild von der Kirchentür hat mich sehr berührt. Die letzten zwei Wochen waren bei mir sehr hektisch und habe mich daher mittags 2-3x in die Kirche hier in der Nähe zurück gezogen, die Stille genossen und einfach mal gar nichts gedacht.
    Auch ich, als Großstadtkind, brauche diese Ruhepausen und bin sehr froh, dass man sie sich nehmen kann.

    LG
    Nika

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    1. Liebe Nika,

      Du brauchst meine Erlaubnis nicht. ;-) Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar von Dir, egal unter welchem Post.

      Ich mag das auch sehr gerne: Mich in eine Kirche setzen und im Kopf die Pausetaste drücken. Das geht bei mir automatisch so und das ist ein wirklich schöner Automatismus.

      Egal, ob Land- oder Stadtmensch: Früher oder später brauchen wir alle mal Ruhepausen. Stadtmenschen vielleicht nur etwas häufiger, wer weiß. ;-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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