27. Juni 2014

BUGfixing #12


Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich hier bei BUGfixing auch über Übungen schreiben soll, mit denen ich mich so gar nicht anfreunden konnte und die für mich nicht "funktioniert" haben. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, denn schließlich sind sie auch ein Teil von BUGfixing und da ist es eben (wie im Leben) so, dass manches super funktioniert, manches okay und manches eben gar nicht. "Scheitern" (verzeiht mir das möglicherweise zu harte Wort, aber ein anderes fällt mir gerade nicht ein) gehört eben auch dazu - und letztlich ist auch das gut. Denn ich verstehe das "Scheitern" als Möglichkeit, mich und das, was mir gut tut, besser kennenzulernen und zu verstehen.

Also berichte ich heute von meinem "Scheitern". Aber eins vorweg: Ich hab's versucht - mit Beharrlichkeit, Geduld und dem festen Willen, die Übung durchzuführen.

Die Übung

...hat schon einen Namen, der mich ein wenig abschreckte: der Body-Scan. Mein erster Gedanke: Klingt wie Body-Mass-Index und den find ich blöd. Wieso, weshalb, warum? Das weiß ich selber nicht. Laut meinen Arzt ist mein Body-Mass-Index nämlich gut. Aber dennoch: Ich mag ihn nicht. (Falls Ihr Euch jetzt fragt, Wie kann man denn einen Begriff nicht mögen?, dann lautet meine Antwort: Ich bin hier und da etwas seltsam und bei mir ist das eben so. Vielleicht keine befriedigende Antwort, aber eine ehrliche.)

Kommen wir zurück zur Übung.

Die Übung dauert ca. 45 Minuten, und das Ziel der Übung ist schnell erklärt: Man soll sich seines eigenen Körpers bewusst(er) zu werden - sowohl in seiner Gesamtheit als auch in jeder Einzelheit. Anders ausgedrückt: Der Body-Scan ist eine Technik, um sein Bewusstsein zu lenken und die Achtsamkeit zu trainieren. Denn auch bei dieser Übung geht es darum, alles aufmerksam zu registrieren, es also bewusst wahrzunehmen, aber gleichzeitig nicht zu bewerten, zu analysieren oder dergleichen. Eine gute Grundlage fürs Meditieren, nebenbei bemerkt.


Die Übung kann im Sitzen, stehen oder vorzugsweise auf dem Rücken liegend durchgeführt werden; entweder mit geöffneten oder geschlossenen Augen. Für welche Variante man sich auch entscheidet: Wichtig ist es, dass man es sich bequem macht (daher die Empfehlung für die liegende Position) und sich entspannt.
  1. Nachdem man sich in die Position seiner Wahl begeben hat, richtet man nun den Fokus auf die Gesamtheit des eigenen Körpers: Man spürt ihn ganz bewusst, spürt sein Gewicht, welche Körperstellen z.B. beim Liegen den Boden (oder das Bett oder die Wiese oder die Liege...) berühren, welche Position im Raum er einnimmt etc. Der Atem fließt dabei ganz bewusst ein und aus, ohne Druck, ohne Zwang - einfach entspannt atmen.
  2. Nach wenigen Augenblicken richtet man den Fokus auf die einzelnen Körperteile und beginnt bei den Zehen des linken Fußes. Nun "betrachtet" man innerlich jeden einzelnen Zeh: wie fühlt er sich an, welche Temperatur hat er, was berührt er... Dabei nimmt alle Empfindungen wahr, die man dabei hat - ohne Wertung, Analyse und Co.
  3. Nach den Zehen wendet man seine Aufmerksamkeit in der gleichen Art und Weise der Fußsohle, der Ferse, der Fußoberseite und dem Knöchel, dann dem gesamten linken Bein und danach dem rechten Fuß und verfährt hier wie zuvor beschrieben (gesamter Fuß, Wade, Knie, Oberschenkel).
  4. Darauffolgend richtet man seine Aufmerksamkeit (wie bei Schritt 2) auf den Rumpf: Becken, Rücken, Bauch und Brust.
  5. Danach konzentriert man sich auf die Finger der linken Hand bis zur Schulter (schön einzelnen, so wie bei Schritt 2) und dann auf die Finger der rechten Hand, wieder bis hin zur Schulter.
  6. Nachdem man seinen Fokus auf die beiden Hände und Arme gelegt hat, folgt nun der Hals, der Kopf und das Gesicht (ebenfalls wie bei Schritt 2).
  7. Ist man mit der Übung "fertig", bleibt man noch wenige Augenblicke liegen und atmet tief ein und aus.

Wichtig: Bei der gesamten Übung nicht zu lange bei einem Gedanken verweilen, sondern die Gedanken kommen und gehen zu lassen.

Meine Umsetzung

Jetzt könnte man meinen, dass ich schon mit einer negativen und skeptischen Grundhaltung an die Übung herangetreten bin. Stimmt aber nicht ganz: Vom Begriff wollte ich mich nicht abschrecken lassen (wo kommen wir denn da hin?!). Mich reizte diese Übung sehr, gerade weil sie eine gute Basis fürs Meditieren ist, und ich gerade zu Beginn meiner Meditationsversuche für jede Hilfe dankbar war (und es immer noch bin!), die mir das Meditieren erleichterten.
Also probierte ich es. Wieder und wieder und wieder. Und dann erneut: wieder und wieder und wieder. Nix!
Klar, habe ich meine einzelnen Körperteile wahrgenommen, das war nicht das Problem, die Fokussierung klappte gut. Mein Kopf registrierte Ah, das ist mein Zeh. Er ist kalt (wie immer). Er ist klein (aber für meine Körpergröße nicht zu klein). Er ist weich. Er ist beweglich. Punkt. Danach Funkstille.

Dieses tiefe Bewusstsein für den Körper, das man spüren soll, wenn man die Übung macht, stellte sich einfach nicht ein. Die Folgen: Entweder bin ich (fast) eingeschlafen (selten), oder mir wurde fürchterlich langweilig dabei, was mich wiederrum nervös machte und genervt und meine Geduld mit und mit überstrapazierte.
Kurz um: Der Gedanke, dass die Übung Zeitverschwendung ist, poppte immer öfter und in immer größer werdenden Lettern in meinem Kopf auf. Es war so, als hätte ich einen dieser (künstlerisch-)hochwertigen Filme gesehen, in denen eigentlich gar nichts, so wirklich rein gar nichts passiert, denen aber eine ungeheur lebensverändernde Wirkung nachgesagt wird und bei denen ich schon währenddessen, spätestens aber bei ihrem Ende denke: Joh, in den zwei Stunden hättest du jetzt die Wohnung putzen können oder das Auto waschen, das hätte die gleiche ungeheuer lebensverändernde Wirkung gehabt.

Vielleicht interpretiere ich den Grundgedanken und das Ziel der Übung für mich falsch. Vielleicht liegt sie mir einfach nicht. Vielleicht... Woran es auch immer liegt: Die Übung und ich wir verstehen uns offensichtlich nicht, haben scheinbar keinen Draht zueinander, werden keine Freunde. Im Moment. Vielleicht versuche ich es irgendwann noch einmal und vielleicht wird es dann anders.

Vielleicht.





Bildnachweis: Pink Poppy Photopgraphie. Some rights reserved. Quelle: www.flickr.com/ - Das Originalbild wurde bearbeitet. 


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