13. Juni 2014

BUGfixing #10


Kennt Ihr das? Eine Frage geht Euch durch den Kopf und lässt Euch nicht mehr los? Ganz im Gegenteil: Je mehr Ihr versucht, nicht über sie nachzudenken, desto bohrender wird sie? Diese Frage, auf die man (in diesem Moment und vielleicht sogar nie) partout keine Antwort findet?

Für alle, die zum ersten Mal hier sind: 
Jede Woche schreibe ich hier über mein Projekt BUGfixing und stelle Euch Übungen oder Tipps vor, die man super in den eigenen Alltagswahnsinn einfügen kann. Wer mehr über BUGfixing erfahren möchte, der wird hier fündig.


Meist sind es die großen Fragen (z.B. "Wie soll's nur weitergehen?" oder "Was machst Du eigentlich aus Deinem Leben?" oder "Welche Entscheidung ist die richtige?" oder...), die immer dann auftauchen, wenn man sie gar nicht "gebrauchen" kann, sie nicht hilfreich sind und die oftmals die Situation, in der man sich gerade befindet, auch nicht besser machen - im Gegenteil.

Ich kenne das jedenfalls nur zu gut. Leider hilft hier in der Regel ein zu mir selbst gesagtes "Darauf habe ich jetzt gerade keine Antwort, also denke ich jetzt nicht mehr darüber nach!" nicht aus; die Fragen bleiben und bohren und bohren und bohren. Und das Schlimmste: Sie kommen nie alleine, sie sind keine Einzelgänger. Zuerst kommt die eine, mit der man sich dann beschäftigt. Sie lenkt einen dann so geschickt und heimtückisch ab, sodass man viel zu spät erst merkt, plötzlich von einer ganzen Horde umzingelt zu sein.

Was soll man tun in solchen Momenten?

Sich ablenken, klappt oft nur bedingt und ist dazu auch noch überaus anstrengend. Und endlos darüber nachzudenken ist auch keine (gesunde) Option und im Alltag nun auch nicht wirklich machbar. Man kann ja nicht einfach zu seinem Chef, dem Mann, den Kindern oder wem auch immer sagen: "Sorry, ich habe gerade keine Zeit für dies oder das, ich beschäftige mich gerade mit einer richtig wichtigen Frage." Und dann wäre da ja noch die Sache mit dem Schlaf: Den braucht man bekanntlich, auch wenn diese Fragen oft vollkommen anderer Meinung sind.

Wie man es dreht und wendet: Ein andere Lösung muss her!

Die Übung

Man legt ein "Buch der Fragen" an, was im Grunde nichts anderes ist, als z.B. ein kleines Notizbuch, in welchem eben nur (diese Art von) Fragen notiert werden und alles an Gedankenschnipseln, die mit diesen Fragen einhergehen (z.B. Pro und Contra-Listen).

Ziel ist es, den Fragen einen anderen Ort zu geben, sie (erst einmal) aus dem Kopf zu bekommen und muss nicht unnötig weiter Zeit mit ihnen verschwenden, indem man weiter (endlos) über sie grübelt.
Bei der Übung geht es nicht darum, Antworten auf die Fragen zu finden. Vielleicht ergeben sie sich beim Schreiben oder später, wenn sich noch einmal mit den Fragen beschäftigt. Aber: Antworten zu finden, ist kein Muss - es ist ein Bonus, wenn man so will.


Meine Umsetzung

Das "Buch der Fragen" klappte von Beginn an erstaunlich gut. Ich habe das Buch immer in meiner Nähe, und sobald sich eine Frage samt ihrer heimtückischen Horde wieder mal in meinem Kopf breit macht, notiere ich sie. Manchmal nur die einzelne Frage, manchmal die Horde gleich mit, manchmal mit einer (langen) Liste an Notizen und Kommentaren, manchmal auch eine (mögliche) Antwort.

Hin und wieder stöbere ich gerne in dem Buch und muss schmunzeln über manche Fragen, die mir damals unfassbar wichtig und lebensverändernd vorkamen und aus heutiger Sicht fast schon belanglos erscheinen. Manchmal mache ich mir freiwillig (!) noch einmal Gedanken über die ein oder andere Frage, notiere dann einen neuen Gedanken oder ein Kommentar dazu.
Manche Fragen stressen mich auch heute noch, und ich entscheide mich dann dafür, sie weiterhin ruhen zu lassen; vielleicht kommt irgendwann eine Antwort, vielleicht aber auch nie. Dann ist das eben so.
Das Erstaunliche an dem kleinen Buch: Ich kann meine eigene Entwicklung beobachten, kann sehen, wie ich mich im Laufe der Zeit verändert habe, obwohl es mir vielleicht gar nicht bewusst war. Ich erkenne auch meine typischen Denkmuster besser, was wiederrum dabei hilft, der ein oder anderen unnötigen Frage erst gar keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken.

Sicherlich: Diese Lösung ist keine Patentlösung und klappt auch nicht immer. Aber hey: Ich kämpfe jetzt nicht mehr so oft wie früher gleich mit Horden von Fragen, und das ist ja auch schon was. Und mein Schlaf ist nebenbei auch noch gerettet, und den brauch' ich ja, um mir weiterhin Gedanken über die kleinen und großen Fragen machen zu können - und zwar immer zu der Zeit, zu der mir danach ist.





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