13. Mai 2014

Leselust #2


Warten mag ich nicht. Einerseits fehlt mir die Geduld, andererseits halte ich es für Zeitverschwendung. Nur leider kann man es häufig nicht verhindern. Umso schöner, wenn man die Wartezeit sinnvoll nutzen kann - zum Beispiel, indem man liest. Und da mir aufgrund des Mangels an Geduld oft auch die Konzentration fehlt, um in Romanwelten abzutauchen, lese in den ungeliebten Wartezeiten meist Aphorismen.


"Knapp, geistreich und oft als Sprachspiel bringt der Aphorismus allgemeine, persönliche, philosophische oder banale Lebens-Wahrheiten auf den Punkt."* Diverse Dichter, Schriftsteller, Denker, Philosophen etc. bedienten sich dieser literarischen Kurzform, z.B. Johann Wolfgang von Goethe, Novalis, Friedrich Schlegel...

Das Schöne - und das, was ich an Aphorismen besonders mag - ist, dass sie so vielseitig sind. Einerseits unterhalten sie mich, anderseits regen sie mich zum Nachdenken an - und ich kann sie immer und immer wieder lesen. Je nach Zeit, Lebenssituation oder persönlicher Stimmung wirken sie anders, verstehe ich sie anders. So habe ich beispielsweise als Jugendliche mit dem folgenden Aphorismus' Friedrich Schlegels nichts anfangen können:
Je mehr man weiß, je mehr hat man noch zu lernen. Mit dem Wissen nimmt das Nichtwissen im gleichen Grade zu, oder vielmehr das Wissen des Nichtwissens.**
Heute verstehe ich diesen Gedanken nur zu gut und muss - ob es mir gefällt oder nicht - zustimmen.

Eine kleine, feine Sammlung solcher Aphorismen bietet das Buch Die schönsten Aphorismen. Von Marc Aurel bis Oscar Wilde. Hier findet man Aphorismen diverser Autoren aus unterschiedlichen Epochen zu den verschiedensten Themen, u.a. Natur, Liebe, Philosophie, Kunst und Kultur.
Diese wunderbare Sammlung gehört zu meinen Lieblingswartebüchern, denn sie schafft es mit ihrer Vielfältigkeit, selbst aus jeder noch so ungeliebten Wartezeit eine gute Zeit zu machen. Und dafür bin ich mehr als dankbar - und meine Nerven sind es auch.





* Zitat aus: Die schönsten Aphorismen. Von Marx Aurel bis Oscar Wilde. Hrsg. von Bettina Hesse. 4. Auflage. Frankfurt a.M.: Fischer 2013.
** Zitat aus: Friedrich Schlegel: Athenäums-Fragment 267. In: Athenäums-Fragmente und andere Schriften. Berliner Ausgabe 2013. 



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