20. Mai 2014

Haunted #2




Lord Byron hatte wahrlich kein leichtes Leben. Sein Vater, Captain "Mad Jack" Byron, verließ seine Mutter und den wenige Monate jungen George Gordan Noel Byron, nachdem er das ganze Geld der Familie verjubelt hatte. Gesellschaftlich war Lord Byron Zeit seines Lebens aufgrund seines unsteten, hemmungslosen Lebensstils ein Außenseiter. Und mit der Liebe klappte es auch irgendwie nicht: Ihm wurden zahlreiche Affären nachgesagt (u.a. mit seiner Halbschwester Augusta), er heiratete die falsche Frau (Annabella Milbanke), die ihn wenige Jahre später verließ und damit einen Skandal auslöste, der Byron zwang, England zu verlassen. Und zu alledem lebte er lange Zeit auch noch in einem verfluchten Haus: Newstead Abbey.




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Newstead Abbey stand seit Beginn an unter keinem guten Stern. Erbaut wurde Newstead Abbey in Nottinghamshire, zunächst als Kloster, ca. 1170 von Heinrich II als Sühne für den Mord an dem Erzbischof von Canterbury. Um 1540 ging die Abtei dann in den Besitz von Sir John Byron über und diente fortan mehreren Generationen der Byrons als Familiensitz.
Jedoch brachte der prachtvolle Bau den folgenden Generationen der Byrons kein Glück: Die Byrons verarmten, wurden von Skandalen und erbitterten Streitigkeiten innerhalb der Familie gebeutelt - und nicht wenige von ihnen erlagen mysteriösen Krankheiten. Die Gerüchte wurden immer lauter, dass das Haus verflucht sei und jeder dem Wahnsinn verfällt, der dort lebt. Im Laufe der Jahre häuften sich die Berichte, dass in dem Haus eine weiße Frau und ein schwarzer Mönch ihr Unwesen trieben.

Die weiße Frau, so heißt es, sei die Schwester von William "Devil" Byron, der sich bis zu ihrem Lebensende weigerte, mit seiner Schwester, die Opfer eines Skandals war, zu sprechen. Sie verzweifelte so sehr darüber, dass ihr Geist noch heute durch die Flure von Newstead Abbey irrt und immer wieder die flehenden Worte wiederholt, die sie auf ihrem Sterbebett an ihren Bruder richtete.
Der schwarze Mönch ist der Legende nach der alte Dominikanermönch des ehemaligen Klosters. In seinem Gebetszimmer (einer düsteren, kleinen Kammer) soll er seine Nachtwachen abhalten und jene heimsuchen, die das Anwesen entweihen. Sein Erscheinen gilt als Zeichen für ein folgendes Unglück. Auch Byron, so behauptete er, begegnete in der Nacht vor seiner Hochzeit mit Annabella dem schwarzen Mönch und deutete dies später als Zeichen dafür, dass die Ehe scheitern musste.

Lord Byron selbst brachte Newstead Abbey ebenfalls kein Glück. Er erbte das vollkommen heruntergekommene Haus als Kind, zog allerdings erst nach seinem Studium dort dauerhaft ein. Allerdings musste er es wenige Jahre später - aufgrund stetig wachsender Schulden - verkaufen. Glücklich, erinnerte er sich, war er nie in Newstead Abbey. Allerdings inspirierten ihn die dunklen, unglückseligen Mauern von Newstead Abbey zu einem seiner berühmtesten Gedichte:

On Leaving Newstead Abbey*
 
Why dost thou build the hall, Son of the winged days? Thou lookest from thy tower to-day: yet a few years, and the blast of the desart comes: it howls in thy empty court. - OSSIAN.


1.
Through thy battlements, Newstead, the hollow winds whistle:
Thou, the hall of my Fathers, art gone to decay;
In thy once smiling garden, the hemlock and thistle
Have choak'd up the rose, which late bloom'd in the way.

2.
Of the mail-cover'd Barons, who, proudly, to battle,
Led their vassals from Europe to Palestine's plain,
The escutcheon and shield, which with ev'ry blast rattle,
Are the only sad vestiges now that remain.

3.
No more doth old Robert, with harp-stringing numbers,
Raise a flame, in the breast, for the war-laurell'd wreath;
Near Askalon's towers, John of Horistan [4] slumbers,
Unnerv'd is the hand of his minstrel, by death.

4.
Paul and Hubert too sleep in the valley of Cressy;
For the safety of Edward and England they fell:
My Fathers! the tears of your country redress ye:
How you fought! how you died! still her annals can tell.

5.
On Marston, with Rupert, 'gainst traitors contending,
Four brothers enrich'd, with their blood, the bleak field;
For the rights of a monarch their country defending,
Till death their attachment to royalty seal'd.

6.
Shades of heroes, farewell! your descendant departing
From the seat of his ancestors, bids you adieu!
Abroad, or at home, your remembrance imparting
New courage, he'll think upon glory and you.

7.
Though a tear dim his eye at this sad separation,
'Tis nature, not fear, that excites his regret;
Far distant he goes, with the same emulation,
The fame of his Fathers he ne'er can Forget.

8.
That fame, and that memory, still will he cherish;
He vows that he ne'er will disgrace your renown:
Like you will he live, or like you will he perish;
When decay'd, may he mingle his dust with your own!
                                                                              1803



* Gedicht aus: The Works Of Lord Byron. Vol. IV. Paris 1823, S. 5f.



Kommentare so far

  1. Hi, jetzt schaue ich auch mal bei dir vorbei. Was für eine tolle Idee, über gruselige, geheimnisvolle Häuser zu schreiben! Total fesselnd, ich liebe sowas. Musste gerade spontan an ein Hörspiel von Gruselkabinett denken, das ich neulich gehört habe: "Das Gespenst von Canterville" von Oscar Wilde. Ich bin gespannt auf weitere Geschichten von dir!

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    1. Schön, dass Du den Weg zu Streifenliebe gefunden hast.

      Und ich freu' mich riesig (!), dass Dir Haunted gefällt. Haunted macht mir auch einen riesen Spaß und seit Beginn der Woche schreibe ich an einem neuen Haunted-Post. Es gibt also bald "Gruselnachschub". ;-)

      Das Hörspiel kenne ich noch (!) nicht, das Buch aber schon. Und es ist lustig, dass Du genau dieses Werk von Wilde erwähnst, weil ich schon an einem Blogpost zum Buch sitze (ist eines meiner liebsten Bücher). :-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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