23. Mai 2014

BUGfixing #7


Oft bin ich mit meinen Gedanken ganz weit weg: Manchmal in der Vergangenheit, bei all' den Dingen, die waren, oder - und das häufig - in der Zukunft, bei all' den Dingen, die vielleicht sein könnten, die ich irgendwann einmal haben oder erleben möchte. Bei all' diesen Gedanken an Vergangenes und Künftiges verliere ich häufig den Blick für die Gegenwart, für das was gerade ist, für all' die schönen Dinge, Begegnungen, Gespräche usw., die mein Leben jetzt - in der Gegenwart - bereichern und für die ich dankbar sein kann.
Problem ist nur: Mein Kopf erübrigt nur allzu ungern Speicherkapazität für all' die kleinen, schönen oder gar wunderbaren Dinge in der Gegenwart, für die ich täglich dankbar sein sollte. Er verschwendet den benötigten Speicherplatz lieber an unwichtige Dinge (z.B. kann ich mir nahezu jeden Songtext merken, den ich gehört habe), mitunter unangenehme Dinge (z.B. mein erster Fahrradunfall mit fünf - als ob es gestern gewesen wäre - Aua!) und auch gerne an Sorgen um die Zukunft. Zusammenfassend kann man sagen: ein BUG im Betriebssystem! Und diesen BUG gilt es zu fixen, d.h. einen anderen Weg finden, um mich an all' die Dinge zu erinnern, die gegenwärtig mein Leben bereichern.

Für alle, die zum ersten Mal hier sind: 
Jede Woche schreibe ich hier über mein Projekt "Ich 2.0", kurz BUGfixing und stelle Euch Übungen oder Tipps vor, die man super in den eigenen Alltagswahnsinn einfügen kann. Wer mehr über BUGfixing erfahren möchte, der wird hier fündig


Die Übung

Eine Dankbarkeitsliste anlegen: Jeden Tag mindestens drei "Dinge" aufschreiben, für die man dankbar ist. Das kann alles sein, was man möchte: ein Eis in der Mittagspause, eine anregende Unterhaltung, ein erholsamer Spaziergang, eine gelungene Präsentation, die Bahn widererwartend doch noch bekommen zu haben, das herzerwärmende Lächeln eines Wildfremden etc. Was auch immer, es liegt ganz bei uns, wofür wir dankbar sind.
Ob man die Dankbarkeitsliste nun in seinen Kalender schreibt oder in ein eigens dafür angelegtes Notizbuch oder in was auch immer, es ist vollkommen gleich. Auch das "Wann" ist jedem selbst überlassen: sei es abends, wenn man den Tag Revue passieren lässt, oder morgens, wenn man einen Blick zurückwirft auf den vergangenen Tag, um sich für den neuen Tag zu stärken - es ist egal, man entscheidet selbst.
Das Wo und Wann ist gleich, die Hauptsache ist, dass man die Liste immer wieder in die Hand nehmen kann und sich der Dinge, die dort stehen, erinnert und noch einmal bewusst wird.

Wie wertvoll Dankbarkeit ist und wie gut sie sich anfühlt, habe ich hier bereits erwähnt. Dankbarkeit - und zwar nicht (nur) die, die man anderen gegenüber zum Ausdruck bringt - hilft enorm dabei, den Fokus wieder auf das Hier und Jetzt zu richten, das Schöne und Gute im eigenen Leben zu sehen und die Wertschätzung für die Kleinigkeiten zu steigern.
Ziel dieser Übung ist es also, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie "reich" (nicht gemessen an materiellem Besitz), lebenswert und schön das eigene Leben ist. Und: Wie wichtig die kleinen Dinge sind und welchen enormen Unterschied sie für das eigene Wohlbefinden bedeuten, wenn man sich ihrer immer wieder bewusst wird.

Meine Umsetzung

Widererwartend fiel mir die Übung zu Beginn nicht leicht. Mir wurde schnell klar, dass ich "zu groß" dachte. Soll heißen: Ich suchte nach den "großen" Dingen, die mir im Laufe des Tages passiert sind. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass ich nicht das aufregende Leben eines Jetsetters führe, der morgens in Paris Croissants schlemmt und seinen Café au lait genießt, mittags in Mailand shoppen geht und abends in London die hippsten Clubs unsicher macht.
Neben der Erkenntnis, dass dieses Jetsetleben nix für mich ist (vieeeel zu anstrengend!), wurde mir klar: Ich musste umdenken, meine Perspektive ändern und vor allem aufmerksamer werden für die kleinen Dinge, die man gern mal übersieht bzw. erst gar nicht registriert. Kurz um: Achtsamer werden im Alltag.

Es hat etwas gedauert, bis mir die abendlichen Dankbarkeitslisten "leichter von der Hand gingen", was auch daran lag, dass mir die kleinen Dinge zunächst zu klein, zu unbedeutend und zu unwichtig erschienen. Aber nach einiger Zeit änderte sich das. Wieso, weshalb, warum? Ganz einfach: Ich habe aufgehört meine Liste, d.h. die einzelnen Dinge, zu bewerten. Ich habe stattdessen einfach alles aufgeschrieben, ohne dabei lang nachzudenken - nach und nach füllte sich mein Notizbuch mit vielen kleinen Dingen, Begebenheiten, Begegnungen, Eindrücken etc., für die ich dankbar bin. Und wenn ein Tag mal ganz still war und ich denke, dass nun wirklich nichts "passiert" ist, für das ich dankbar sein könnte, dann schreibe ich einfach die essentiellen Dinge auf: mein Mann, meine Kleinen, meine Freiheit, mein geliebtes Bett usw.

Habe ich einen schlechten Tag, werfe ich gerne einen Blick auf meine Liste. Ich sehe dann wie "reich", lebenswert und schön mein Leben ist, auch wenn es sich manchmal ganz und gar nicht so anfühlt. Und dafür bin ich dankbar!







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