25. April 2014

BUGfixing #3


Im Grunde bin ich eine fröhliche Person. Ich lache viel und oft und versuche, das Leben mit Humor zu nehmen, was mal gelingt, mal nicht (z.B. beim Autofahren). Und trotzdem ist mir diese Übung schwer gefallen, denn ich musste lernen: lachen und lächeln ist nicht das Selbe.

Für alle, die zum ersten Mal hier sind: 
Jede Woche schreibe ich hier über mein Projekt BUGfixing und stelle Euch hier Übungen und Tipps vor, die man super in den eigenen Alltagswahnsinn einfügen kann. Wer mehr über BUGfixing erfahren möchte, der wird hier fündig.

Die Übung

Lächeln - einen ganzen Tag lang versuchen, so oft wie möglich zu lächeln. Auch wenn mein keine Lust hat, einem gerade gar nicht nach lächeln ist, trotzdem lächeln.
Die Idee dahinter: Durch das Lächeln werden Endorphine ("Glückshormone") freigesetzt und man fühlt sich besser. Die Wirkung zeigt sich rasch.

Meine Umsetzung

Na, da hab' ich mir ja 'nen richtig bescheidenen Tag ausgesucht für diese Übung, dachte ich mir, als ich im Bad stand, nachdem mir gerade, schlaftrunkend wie ich war, die Zahnbürste aus der Hand fiel, sich die Zahnpasta im halben Bad und natürlich auf meinem Schlafanzug verteilte und ich mir beim Versuch, die Zahnpastaspritzer zu entfernen, auch noch den Kopf am Waschbecken stieß.
Auf dem Weg in die Küche versuchte ich, mich selbst und meinem Puls zu beruhigen, indem ich mir innerlich gut zuredete: Okay, Nicole: Du hattest noch keinen Kaffee, da kann so etwas mal passieren. Mach' Dir jetzt erst einmal 'nen Kaffee und dann sieht die Welt gleich besser aus. Und jetzt lächle. Mir war so gar nicht nach lächeln, aber ich tat es und kam mir ziemlich dämlich dabei vor: Ich, voller Zahnpastaspritzer, mit Beule am Kopf, schmerzverzerrten Augen und hochrotem Wutgesicht - lächelte. Ich stellte mir vor, dass jemand mich jetzt so sehen würde und was derjenige wohl denken müsse. Ich musste lachten, weil mir die ganze Situation plötzlich ziemlich absurd vorkam.

Nach dem ersten Kaffee war die Welt dann wirklich wieder ein Stück weit in Ordnung, sodass ich wieder Hoffnung für den vor mir liegenden Tag schöpfte. Ich absolvierte meine morgendlichen Routinearbeiten mit einem Lächeln und fühlte mich - bis auf die pochende Beule am Kopf - gut. Scheint zu funktionieren, die Sache mit dem Lächeln, ging mir durch den Kopf, nahm mir meine To-do-Liste, lächelte noch etwas mehr, nachdem ich aus der Ferne sah, dass nur wenige Punkte vermerkt waren. Bei näherer Betrachtung aber musste ich dann leider mit Schrecken feststellen, dass einer der Punkte "Klausuren korrigieren" war.*
Das wars jetzt mit dem Lächeln, schoss mir durch den Kopf. Nix da, Nicole!, ermahnte ich mich, die Übung ziehst du jetzt durch. Vielleicht hilft sie ja sogar. Und in der Tat: das tat sie, sie half tatsächlich. Nach knapp viereinhalb Stunden Klausuren korrigieren hatte ich nicht das übliche Bedürfnis, mich ins Bett zu legen und die Decke über den Kopf zu ziehen oder mich erst mal eine Runde auf dem Fahrrad auszupowern. Diesmal war es anders. Das Lächeln hatte mich entspannter und gelassener gemacht.

Natürlich habe ich zunächst daran gedacht, dass alles Zufall sei. Aber ich habe es seit diesem Tag öfter getan: einfach gelächelt, auch wenn mir nicht danach war. Und ich muss sagen: es funktioniert tatsächlich.



* Zur Erklärung:
Nicht, dass Klausuren korrigieren grundsätzlich schlimm ist. Ist es keineswegs. Aber es ist immer wie bei einer nicht enden wollenden Wundertüte - man weiß einfach nicht, was als nächstes kommt. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, es geht rauf und runter, und danach bin ich meist ziemlich gerädert.




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