18. April 2014

BUGfixing #2


"Du willst meditieren? Ist das Dein Ernst?", fragte meine beste Freundin. "Ja, will ich. Kann ja nicht so schwer sein.", antwortete ich. "Nicole und meditieren. Hm, was soll ich sagen?! Oweia, fällt mir da nur ein. Und viel Glück, denn das kannste brauchen.", erwiderte sie mit einem vielsagenden Grinsen.

Für alle, die zum ersten Mal hier sind: 
Jede Woche schreibe ich hier über mein Projekt "Ich 2.0", kurz BUGfixing und stelle Euch hier Übungen und Tipps vor, die man super in den eigenen Alltagswahnsinn einfügen kann. Wer mehr über BUGfixing erfahren möchte, der wird hier fündig.

Die Übung

Just-A-Minute-Atemmeditation: Eine Minute lang voll und ganz auf den Atem konzentrieren, ohne ihn dabei zu beeinflussen. Einfach nur atmen; bewusst einatmen, bewusst ausatmen, den Atem dabei voll und ganz spüren. Dabei versuchen, nicht zu denken, und weil das nicht einfach ist: Gedanken einfach vorüberziehen lassen, nicht werten, nicht kommentieren, nicht weiterdenken - einfach atmen, ein- und ausatmen. Nur eine Minute, nicht länger, aber auch nicht kürzer.

Meine Umsetzung

Ich erinnere mich noch sehr gut an das vielsagende Grinsen meiner besten Freundin und ihren überraschten und zweifelnden Blick als ich ihr von meinem Vorhaben erzählte. Für sie prallten hier zwei Welten aufeinander: Meditation auf der einen Seite, ich auf der anderen Seite. Aber das motivierte mich erst recht.
Okay, ich gebe zu: Es war wagemutig. Der Gedanke ans Meditieren machte mich schon etwas nervös, denn nichts denken, fällt mir schwerer als alles andere. Mein Kopf ist nie still, da ist immer etwas los. Oft vergesse ich vor lauter gedanklicher Betriebsamkeit z.B. etwas zu trinken oder zu essen und wundere mich dann, warum mein Magen so laut knurrt wie ein stinkwütender Löwe.
Ein wenig mehr Ruhe im Kopf, nur ein klitzekleines bisschen, ein paar Augenblicke - das wärs, dachte ich mir und begab mich auf die Suche. Immer wieder, es führte kein Weg daran vorbei, tauchte in diesem Zusammenhang der Begriff "Meditation" auf. Ich schlich wirklich lange um ihn herum, traute mich nicht recht. Aber dann...ja, dann war es soweit: Ich beschloss es zu versuchen.


Eine Minute! Ha, die geht doch rum wie nix. Bekomme ich locker hin. War natürlich nicht so. Ich machte es mir auf meinem "Meditationskissen" (soll heißen: ein altes, aber super bequemes Sitzkissen) gemütlich, stellte den Countdown auf meinem Handy auf eine Minute und schloss die Augen. Nix. Keine Ruhe im Kopf. Versuch #1 gescheitert. Es folgte die Analyse (wieso, weshalb, warum), die Ergebnisse wurden von mir akribisch ausgewertet, geholfen hat es zunächst nichts. Aufgeben kam aber nicht in Frage.

Zwei Wochen habe ich es dann täglich probiert, aber es klappte nicht; mein Kopf gab einfach keine Ruhe. Dann aber: Eines Tages, genauer gesagt an einem Morgen, hat es dann doch geklappt. Ich war gerade mit meinem morgendlichen Sportprogramm durch und so erledigt, dass ich mich erst einmal kurz auf den Boden setzte und die Augen schloss. Jetzt meditieren, das wärs doch, dachte ich. Ich robbte zu meinem Kissen rüber, das ich extra mahnend hier gelassen hatte, setzte mich drauf, schnappte mein Handy, stellte den Countdown ein und meditierte. Eine ganze Minute lang schaffte ich es, mich nur auf meinen Atem zu konzentrieren, auf sonst nix. Nach der Minute dachte ich nur GESCHAFFT und fühlte mich wie Hiro Nakamura, nachdem er sich zum ersten Mal nach New York teleportiert hatte.

Seit diesem Morgen meditiere ich nahezu täglich in der Woche nach dem Sport, das scheint einfach meine Zeit zu sein, vielleicht weil ich ein Morgenmensch bin (chronobiologisch ausgedrückt: Nicole, die Lerche). Mittlerweile meditiere ich morgens meist länger, wenngleich ich zugegeben muss: Manchmal klappt es gut, manchmal ist der Kopf anderer Meinung, aber es gelingt mir immer häufiger, was schön ist, da es mir gut tut. Ich fühle mich frisch und erholt, einfach etwas aufgeräumter im Kopf.

Die Just-A-Minute-Atemmeditation versuche ich derweil in meinen Alltag einzubauen, so als eine Art kleine "Erholungspause" zwischendurch. Aber das ist wieder eine andere Geschichte...




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